Autokrise
Wilde Ehe als Rettung für Daimler und BMW

Aus der Autokrise wird es für die Anführer der deutschen Paradebranche, Mercedes und BMW, keinen einfachen Ausweg geben. Ihr Geschäftsmodell als eigenständige Premiumhersteller ist bedroht. Das zeigen auch die Zahlen, die Daimler-Chef Dieter Zetsche heute präsentiert hat. Warum ihnen trotz aller Risiken keine andere Wahl bleibt, als unkonventionell zusammenzurücken.
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Aus der Autokrise wird es für die Anführer der deutschen Paradebranche, Mercedes und BMW, keinen einfachen Ausweg geben. Ihr Geschäftsmodell als eigenständige Premiumhersteller ist bedroht. Das zeigen auch die Zahlen, die Daimler-Chef Dieter Zetsche heute präsentiert hat. Ein unkonventionelles Zusammenrücken der Erzrivalen erscheint daher immer plausibler.

Denn Zetsche könnte seine Prophezeiung, dass 2009 zum Darwin-Jahr der Branche wird, schneller einholen, als ihm lieb ist. Es gibt tektonische Verschiebungen in der Autoindustrie. Mit Porsche und VW formiert sich ein Konzern immer besser, der mit seinen zehn Konzernmarken alle automobilen Facetten abdeckt. Für die Stuttgarter und die Münchener wird die Situation bedrohlich. Denn die Topmarke Audi bedient sich kostengünstig aus dem Baukasten des VW-Konzerns mit seinen sechs Millionen Fahrzeugen. Audi investiert diese Vorteile in die Qualität der Autos. Für Mercedes und BMW wird es immer schwerer, sich abzuheben und ihren Preis bei den Kunden zu rechtfertigen. Denn Audi wird nicht nachlassen. Und mit dem viertürigen Panamera greift Porsche im Frühjahr auch noch frontal die S-Klasse und den 7er an. Audi hat zwei Jahrzehnte gebraucht, um mit Mercedes und BMW auf Augenhöhe zu kommen. Mit Porsche kommt plötzlich eine noch werthaltigere Marke in die Quere. Und auch Porsche kann sich im Baukasten von VW bedienen./P>

Daimler und BMW können auf Dauer den Kostenvorteilen von VW/Porsche nichts entgegensetzen. In der strategischen Sackgasse, auf Dauer zu klein zu sein, befanden sich beide Hersteller schon einmal. BMW kaufte Rover und Daimler Chrysler. Beide scheiterten kläglich. Die strategische Option eines Zukaufs ist seither verbaut. Der VW-Konzern brauchte dagegen zwar 20 Jahre zum Aufbau der Marken und zur Integration seiner Zukäufe. Jetzt verfügt er aber über einen gigantischen Wettbewerbsvorteil.

Bleiben als Gegenmittel Kooperationen, wie sie BMW beim Mini mit Peugeot eingegangen ist. Oder enge Zusammenarbeit mit großen Zulieferern. Aber hier dürfte es immer schwieriger werden, Bosch, Conti oder ZF davon zu überzeugen, die besten Neuentwicklungen für die S-Klasse oder den 7er zu reservieren. Denn auf der anderen Seite winkt Porsche/VW mit größeren Stückzahlen, weil die gleiche Technologie in Phaeton, A8, Bentley und Panamera passt.

Nur bei einer engen Kooperation könnten Daimler und BMW relativ schnell Boden gutmachen. Zusammen bauen sie knapp drei Millionen Fahrzeuge. Dabei wäre eine Kapitalverflechtung nicht unbedingt nötig. Sicher wäre eine wilde Ehe von Daimler und BMW keine triviale Veranstaltung. Beide Partner haben ihren eigenen Kopf, aber kennen sich dafür auch schon sehr lange. Das sind trotz aller Widerstände nicht die schlechtesten Voraussetzungen für diese Form der Bindung. Es ist jedenfalls fünf vor zwölf, über den eigenen Schatten zu springen und so schnell wie möglich eine Einkaufskooperation zu starten. Gemeinsame Motoren und Plattformen wären der nächste logische Schritt.

Eine wilde Ehe birgt viele Risiken. Die Abgrenzung der Marken wäre eine große Herausforderung. Aber für BMW und Daimler ist keine Alternative zu erkennen.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent

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