Automobilindustrie
Japan gibt Gas

Japans Autokonzerne legen in diesen Tagen ihre Jahresbilanzen vor. Und eines geht aus den Zahlen klar hervor: Toyota, Honda, Nissan, Mitsubishi und die kleineren Spieler können sich stark präsentieren.

Anders als die abgeschlagenen US-Konkurrenten werden sie den deutschen Herstellern auf den Überseemärkten echte Schwierigkeiten bereiten. Zwar bieten Deutschlands Autobauer derzeit attraktive Modelle mit führender Technik an. Und sie verstehen es auch, diese weltweit zu verkaufen. Doch die Japaner haben sich zuletzt wieder exzellent positioniert: in den Schwellenländern mit Billigautos, auf den reifen Märkten mit einem Vorsprung bei der Hybridtechnik und generell mit ihrem Ruf, gute Qualität zu liefern. Die Verkaufszahlen sprechen für sich. Das spektakulärste Beispiel liefert Toyota: Die Produktion außerhalb Japans stieg von Januar bis März um vier Prozent, der Export aus Japan um 13 Prozent. Damit übertraf der Vorzeigekonzern die Verkaufszahlen des US-Rivalen General Motors und stahl ihm im ersten Quartal dieses Jahres den Titel des absatzstärksten Autoherstellers der Welt. Wenn Toyota in der zweiten Maiwoche seine Jahresbilanz vorlegt, könnte unter dem Strich ein operativer Gewinn von 14 Milliarden Euro stehen, doppelt so viel wie im Vorjahr.

Der kleinere Konkurrent Mitsubishi erholt sich unterdessen deutlich von seinen früheren Problemen mit vertuschten Qualitätsmängeln. In Europa setzte das Unternehmen im abgelaufenen Geschäftsjahr um 17 Prozent mehr Autos ab. Auch das Geschäft in Nordamerika florierte. Auch der japanische Branchenzweite Honda verkaufte im abgelaufenen Jahr mehr Autos: In Nordamerika und in Europa lag das Plus bei jeweils 15 Prozent. Eine pessimistische Gewinnprognose bei Honda geht vor allem auf die Erwartung zurück, dass der Yen in diesem Jahr deutlich steigen wird. Analysten erwarten jedoch, dass Honda auch weiterhin Kapital aus der starken Position der Marke auf dem US-Markt schlagen kann. Nur Nissan musste einen Rückgang des Absatzes hinnehmen. Als Grund wird eine unregelmäßige Modellpolitik genannt. Doch Firmenchef Carlos Ghosn versichert, dass sich die Lage bei Nissan bald wieder bessern werde. Er hat offenbar eingesehen, dass mit Sparen allein keine neuen Kunden gewonnen werden können. Folgerichtig erhöht er die Ausgaben für Forschung und Entwicklung. In den letzten sechs Monaten hat das Unternehmen neun neue Modelle auf den Markt gebracht, im laufenden und im kommenden Jahr sollen jeweils elf weitere folgen.

Um nicht weiter zur Hälfte vom US-Markt abhängig zu sein, nimmt Ghosn verstärkt die Schwellenländer ins Visier. In Indien und Russland entstehen neue Fabriken, in Brasilien wurde eine Verkaufsoffensive gestartet. Im vergangenen Jahr wuchs der Absatz in China gegen den Trend um 20 Prozent. Nissan betreibt dort ein Entwicklungszentrum und weihte kürzlich ein neues Motorenwerk ein. Dieser Tage stellte der Konzern mit dem „Livina“ in China sein erstes Billigmodell zum Preis von 7 600 Euro vor. Auch die anderen Hersteller nutzen ihre Stützpunkte in Asien: Toyota wurde in China zwar später aktiv als VW und General Motors, holt derzeit aber rasch auf. Erwartet wird dort ein Verkaufsplus von einem knappen Drittel auf 400 000 Autos. Und diese Prognose ist durchaus realistisch. Ab dem kommenden Jahr baut der größte Autohersteller der Welt das Modell „Yaris“ vor Ort und denkt über ein eigenes Billigmodell nach. Auch Honda erwartet in diesem Jahr in Asien eine Absatzsteigerung um ein Fünftel. Im Durchschnitt rechnen Japans Hersteller mit einer Ausweitung ihres Geschäfts in China um satte 27 Prozent.

Doch auch die anspruchsvollen Automärkte Nordamerika und Europa haben Japans Automanager im Blick. Die Oberklassewagen „Lexus“ von Toyota und „Infiniti“ von Nissan sollen den deutschen Luxusherstellern Marktanteile abjagen. Wie Honda setzen beide Unternehmen dabei konsequent auf umweltfreundliche Produkte. Nissan hat das „grüne Wachstum“ sogar ausdrücklich zur Priorität erklärt und kooperiert mit dem Elektrokonzern NEC bei der Entwicklung der bisher fortschrittlichsten Akkumulatoren für Elektro- und Hybridautos. Toyota will seine Erfahrungen mit Hybridantrieben auf Brennstoffzellenautos übertragen. Bis dahin soll die eigene Hybridtechnik gerade mit Blick auf die Zuverlässigkeit gegenüber der Konkurrenz immer ein Stück vorausbleiben. VW-Chef Martin Winterkorn hat Toyota zum Maßstab für sein Unternehmen erklärt und das Ziel formuliert, die Japaner wieder einzuholen. Aktuell sieht es aber so aus, als könnten diese mit der konsequenten Umsetzung lange getroffener strategischer Entscheidungen ihren Vorsprung sogar noch ausbauen.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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