Autostrade/Abertis
Zweispurig fahren

Die Fusion von Autostrade und Abertis ist geplatzt. Zu stark war der politische Widerstand aus Rom gegen einen Zusammenschluss des italienischen und des spanischen Unternehmens, aus dem der weltweit größte Autobahnbetreiber entstanden wäre.

Allerdings sollte man der italienischen Regierung nicht voreilig Protektionismus vorwerfen. Aus schierer Geldnot heraus hatte Italiens Regierung 1997 die Autostrade mit einigen Auflagen über die Schema28-Holding an die Benetton-Familie verkauft. Für diese war es ein guter Deal. Der Betreiber von Maut-Strecken warf satte Gewinne ab. Allerdings lässt der Zustand der Autobahnen zu wünschen übrig. Deshalb ist es durchaus legitim, dass Rom von Autostrade verlangt, noch die an die Lizenzvergabe geknüpften restlichen Investitionen in Höhe von zwei Milliarden Euro durchzuführen. Und bei dieser Forderung haben Abertis und Autostrade kaum Entgegenkommen gezeigt.

Diese Haltung kommt der italienischen Regierung aber nicht unbedingt ungelegen. Denn der Koalition von Ministerpräsident Romano Prodi dürfte es nicht gefallen haben, dass der Sitz des fusionierten Unternehmens nach Barcelona verlegt werden sollte und die Italiener de facto die Macht an die Spanier verlieren sollten.

Dass es Rom nicht nur um die Investitionen in das Streckennetz ging, zeigen auch die mannigfachen Störfeuer seit der Ankündigung der Fusionspläne. Einmal sollten Baukonzerne keine Anteile kaufen dürfen, ein anderes Mal war angeblich die Sicherheit der Autobahnen in Gefahr. Doch all dies wäre unnötig gewesen. Denn die Regierung hätte bereits vor der Privatisierung des Staatsbetriebs wissen müssen, dass dieser später auch einmal den Besitzer wechseln könnte.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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