Bafin
Kommentar: Sanios Gegner

Womöglich hat Jochen Sanio gar nicht gewusst, wie viele Gegner er in Berlin hat.

Kaum wurde ein Gutachten publik, wonach die von Sanio geleitete Allfinanzaufsicht BaFin nicht schnell genug gegen Betrügereien im eigenen Haus vorging, hagelte es massive Kritik.Wenig überraschend tat sich vor allem die Opposition mit Rücktrittsforderungen hervor. Aber auch die Regierung geht auf Distanz zu Sanio – fast so, als habe man den BaFin-Chef schon zum Abschuss freigegeben

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Einen solchen Schritt sollte sich die Bundesregierung gut überlegen. Es ist offensichtlich, dass es Versäumnisse bei der Betrugsbekämpfung in der BaFin gab. Das Gutachten von Pricewaterhouse-Coopers legt zudem den Schluss nahe, dass die Behörde schon vor einiger Zeit von den Schwächen wusste und es versäumt hat, hier Abhilfe zu schaffen. Das war ohne Zweifel ein Fehler. Sanio muss nun schleunigst handeln.

Aber muss man wirklich gleich den Kopf des Behördenleiters fordern? Manches spricht dafür, dass Sanio jetzt auch die Quittung für seine bisweilen besserwisserische Art erhält, die bei manchen Bankern und Politikern nicht immer gut ankommt. Zudem haben sich einige Politiker gerade aus den Reihen von CDU/CSU die Forderung vor allem der kleineren Banken zu Eigen gemacht, die auf weniger Prüfungen drängen – ein nicht ganz ungefährlicher Ansatz vor dem Hintergrund der massiven Probleme der Branche in den letzten Jahren.

Für den Finanzplatz Deutschland wäre ein Abgang Sanios ein Verlust. International genießt der 59-Jährige einen exzellenten Ruf. Das ist bei der Verteidigung der Interessen der deutschen Kreditwirtschaft in globalen Verhandlungsrunden ein wichtiges Plus. Und ein Nachfolger, der Sanios Rolle von heute auf morgen übernehmen könnte, ist nicht in Sicht.

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