BAFIN
Spiel auf Zeit

Die Luft für Jochen Sanio wird dünner. Erst dokumentieren zwei Gutachten persönliche Versäumnisse des Präsidenten der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.

Die Nachlässigkeiten haben einen Korruptionsskandal in der Behörde begünstigt und den Bundesfinanzminister auf die Palme gebracht.

Nun belegen jüngste Äußerungen des Personalrats, dass Sanio auch im eigenen Haus keinen guten Ruf genießt. Von Kriegserklärung ist dort die Rede und davon, dass es keine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Personalrat mehr gebe. Auch die Verhandlungen zur Einführung der Gleitzeit habe der BaFin-Präsident über Nacht für beendet erklärt. In der hausinternen Beliebtheitsskala steht Sanio offenbar ziemlich weit unten.

Kein Chef muss von allen Mitarbeitern geliebt werden. Dennoch werfen die neuen Erkenntnisse kein gutes Licht auf den mächtigsten Bankenkontrolleur der Republik. Der Mann, der Vorstände in der deutschen Finanzbranche wegen mangelnder fachlicher Eignung oder Zuverlässigkeit aus dem Amt gedrängt hat, muss sich nun selbst fragen lassen, ob er noch die richtige Besetzung für diese wichtige Bundesbehörde ist.

Kaum jemand stellt die Qualifikation des Vorzeigebeamten in Frage, doch interne Schwächen des BaFin-Präsidenten schaden dem Finanzplatz Deutschland. Wie soll einer Banken und Versicherungen kontrollieren, wenn in seiner eigenen Behörde heilloses Chaos herrscht und Mitarbeiter jahrelang Millionen verschieben?

Es steht nicht gut um den BaFin-Präsidenten, der sich offenbar auf immer weniger Rückhalt verlassen kann. Es ist ein Spiel auf Zeit. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück will an Sanio festhalten, bis die staatsanwaltschaftlichen Untersuchungen beendet sind. Doch Ruhe wird es so lange für Sanio nicht geben.

Sven Afhüppe
Sven Afhüppe
Handelsblatt / Chefredakteur
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