Bahn-Arbeitsdirektor Hansen
Kommentar: Ohrfeige vom Chef

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Auweia. Das muss weh getan haben. "Spekulationen über einen Personalabbau bei der Bahn sind an den Haaren herbeigezogen", ließ Bahnchef Hartmut Mehdorn heute Vormittag verbreiten. Das knallharte Dementi galt Aussagen des neuen Arbeitsdirektors Norbert Hansen, der erst am Donnerstag vom Aufsichtsrat inthronisiert wurde. Von ihm ist heute in einem Zeitungsinterview nachzulesen, dass die Bahn weiter rationalisieren müsse und es dazu "in einigen Bereichen nicht ohne Personalabbau gehen" werde.

Kaum zu glauben, dass Hansen, der als langjähriger Chef der größten Eisenbahner-Gewerkschaft durchaus zu kalkulierter Scharfzüngigkeit fähig war, im neuen Amt nun das heikle Thema Personalabbau bedenkenlos zu Protokoll gibt. Zudem kennt er den Konzern in- und auswendig auch aus seiner anderen Rolle - der des ebenfalls langjährigen stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden. So weiß er allemal, dass einer der wesentlichen Stützpfeiler der Bahnreform stets die Beschäftigungssicherungs-Vereinbarungen für die Eisenbahner waren. Ohne das über die Jahre immer wieder erneuerte vertragliche Versprechen des Bahn-Managements, auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten, wäre der jetzt auf der Zielgeraden angekommene Teilprivatisierungsprozess des Staatsunternehmens längst am Widerstand der Gewerkschaften und Personalräte gescheitert - das war auch Hansens Werk als Transnet-Chef.

Das weiß natürlich Mehdorn nur zu gut. Gerne verweist er im kleinen Kreis stolz darauf, dass die Bahn in den letzten Jahren, in denen andere Großkonzerne die Belegschaften in Tausender-Kopfzahlen abbauten, niemand betriebsbedingt entlassen hätte. Das stimmt. Doch genauso stimmt auch, dass die Bahn weiter Personal abbauen muss und - wie auch von Hansen gefordert - mehr Flexibilität ihrer Mitarbeiter braucht. Im Wettbewerb um den Schienenregionalverkehr beispielsweise hat der Konzern das Problem, das seine Personalkosten um 20 bis 25 Prozent über denen der Konkurrenten liegen. Das erhöht nicht gerade die Chancen in Ausschreibungen. Und es birgt das Risiko, heute erbrachten Zugverkehr zu verlieren. Und dann gibt es da plötzlich Mitarbeiter, die ohne Arbeit sind. Nicht anders ist es bei technischen Innovationen. Ein modernes Elektronisches Stellwerk konzentriert die Überwachung und Steuerung des Fahrbetriebs an einem Ort in wenigen Händen, macht Jobs in kleineren Schaltstellen entlang der Strecken überflüssig.

Eigentlich wären das Fälle für betriebsbedingte Kündigungen. Doch bei der Bahn landen solche Mitarbeiter in einer Auffanggesellschaft. Die heißt zurzeit DB Jobservice. Dort werden Eisenbahner gewissermaßen geparkt, aber auch umgeschult für neue Aufgaben im Konzern. Das funktioniere überraschend gut mit hoher Vermittlungsquote, heißt es im Bahn-Konzern. Denn neue Arbeit gibt es ja auch: Mehr Geschäft, neue Geschäftsfelder - da werden auch wieder Leute gebraucht. Personalabbau sei kein strategisches Konzernthema sagt Mehdorn immer wieder. So kann die kräftige Ohrfeige seinen neuen Personalchef eigentlich nicht überraschen. Er wird lernen müssen, seine Aussagen differenzierter zu formulieren. Schwarz-Weiß-Malereien mag der Gewerkschafter vor Betriebsräten erfolgreich zum Besten gegeben haben. Als Konzernvorstand wird er mit solchen Aussagen zum Unruhestifter.

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