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Bahn:Mit dem Lkw aus der Krise

Bahn und Lkw nicht als Gegner, sondern als Partner: Die Bahn könnte das alles im eigenen Unternehmen hinbekommen.

Der Deutsche Logistikkongress, der hochkarätige Treff der Transportbranche, wird in Berlin ab Mittwoch nach den zurückliegenden Boomjahren wohl nicht in Jubelstimmung stattfinden. Denn kaum ein Wirtschaftszweig hat so unter den Krise gelitten wie die Logistiker: Die Bahn wie die Binnenschifffahrt, die Luftfracht-Spediteure wie die Container-Reeder haben bedrohliche Abstürze hinter sich und fangen mühsam an, sich zu berappeln.

Eines der großen Themen wird die Frage sein, wie sich die Deutsche Bahn unter dem Eindruck der massiv weggebrochenen Geschäfte und vor dem Hintergrund der veränderten politischen Landschaft in den Transport- und Logistikmärkten aufstellen wird. Der seit Mai amtierende Bahnchef Rüdiger Grube hat verschiedentlich angekündigt, dass nach der Expansion nun erst einmal Konsolidierung gefragt sei. Er hat aber auch erklärt, den Kurs Mehdorns zum weltweiten Mobilitäts- und Logistikkonzern beibehalten zu wollen.

Zwangsläufig steht Grube damit vor einem Spagat: Auf der einen Seite der erhebliche Kostendruck, auf der anderen Seite der dramatische Rückgang der Transportvolumina. Im internationalen Speditionsgeschäft mag sich dieses Problem lösen. Die Logistiker auch bei der Konzerntochter Schenker kaufen und verkaufen Leistungen, sie belasten sich weniger mit teuren komplexen Strukturen. Im Schienengüterverkehr in Europa ist das anders. Dort existiert ein bedrohlich hoher Fixkostenanteil.

Die Güterbahn steht deshalb vor erheblichen Strukturveränderungen. Die schöne Formel "Mehr Verkehr auf die Schiene" wird auf den Kostenprüfstand kommen. Auch wenn die Politik aufschreien wird und die Gewerkschaften schon heute in wohl verstandener Sorge das Wort "Kahlschlag" bemühen: Es ist wie im Personennahverkehr in dünn besiedelten Regionen. Schon heute gibt es Zugverbindungen, die ein Taxi nicht nur schneller, sondern auch preiswerter ersetzen könnte. Genauso gibt es Transportaufkommen, für das sich die Bahn nicht lohnt.

Mit einem immer wieder von Bahn-Kritikern beschworenen und abgelehnten breiten "Rückzug aus der Fläche" lässt sich das Problem nicht lösen. Der Verkehrsträger Schiene hat in den letzten Jahren verstärkt bewiesen, dass er in einer arbeitsteiligen Wirtschaft Transporte durchaus konkurrenzlos effizient befördern kann. Bahn und Lkw nicht als Gegner, sondern als Partner: Die Bahn könnte das alles im eigenen Unternehmen hinbekommen. Gelingt es ihr, die Potenziale optimal zu verknüpfen, hat sie gewonnen, erst recht, wenn sie das auch noch umweltverträglich schafft.

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