Bahn
Nur etwas für Profis

Die jüngsten Diskussionen über die künftige Rolle von Bahn-Chef Hartmut Mehdorn kommen zur Unzeit. Möglicherweise soll Mehdorn schon im nächsten Jahr von der Spitze der bis dahin privatisierten Transporttochter abtreten. Was ist eigentlich in den Bahn-Aufsichtsrat gefahren, bei dem Politiker maßgeblich mitreden?
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Das Gremium kann doch nicht ernsthaft einen Konzernchef an vorderster Stelle bei einer Privatisierung ins Rennen schicken, den es schon bald nicht mehr gibt.

Hier geht es nicht um irgendwelche Repräsentationsaufgaben. Mehdorn muss glaubwürdig für die Strategie, die Zukunft der Bahn im Werben um die künftigen Aktionäre stehen. Sollte er in Kürze tatsächlich abtreten müssen, kann er diese Aufgabe nicht wahrnehmen. Es zeigt sich einmal mehr klar und deutlich: Die Bahn ist nur eine Aktie für Anlageprofis.

Vor allem für die Kleinaktionäre gilt: Ein bisschen Bahn ist nicht genug, ein bisschen Volksaktie reicht auch nicht aus. Es schält sich immer stärker heraus, dass sich der für Anfang November terminierte Börsengang der Deutschen Bahn nicht für eine breite Platzierung unter Privatanlegern eignet – allem Politikerpalaver zum Trotz. Das hängt natürlich am Rande auch mit dem Rufschaden zusammen, den die Volksaktie nach der dritten Emission der Deutschen Telekom und dem nachfolgenden Kursdesaster hinnehmen musste. Zu groß ist die Gefahr, dass sich Kleinanleger erneut die Finger verbrennen. Nach der T-Aktie darf es keine B-Aktie geben. Das würde die deutsche Aktienkultur nicht überstehen.

Offenbar setzt die Bahn in weiser Voraussicht von vorneherein nicht auf die Kleinanleger. Rührte für die Deutsche Telekom noch Schauspieler Manfred Krug die Trommel, so herrscht im Fall Bahn Künstlerpause. Kein Promi wird landauf, landab für die Aktie werben. Gut so. Auch bei den Zeichnungsanreizen ist für die breite Schar von Anlegern nichts zu erben. Wie auch? Weder Bahn noch Bund haben Geld zu verschenken, und die Aktie darf auch nicht überreizt werden.

Wenn ein Kleininvestor sich den Wert tatsächlich ins Depot legt, dann müssen ihn nackte Fakten und Zahlen, Wachstums- und Ertragsaussichten überzeugen. Deshalb sind Treueaktien oder gar Zeichnungsrabatte teurer Firlefanz. Sie blenden nur und lenken ab. Einzig bei Bahnmitarbeitern kann es sinnvoll sein, sie mit ins Boot zu nehmen. Es ist ihr Unternehmen, dessen Rendite sie Jahr für Jahr steigern sollen. Es ist dann auch ihre Aktie, von deren Kursentwicklung sie profitieren werden.

Kurzum: Die Bahn-Aktie ist vor allem eine Aktie für Profis, gleichgültig, ob sie in Deutschland, Großbritannien oder etwa auch Japan sitzen. Und diese macht sicherlich nicht nur die jüngste Diskussion über die Rolle von Bahn-Chef Mehdorn, sondern auch die Verteilung des Emissionserlöses hellhörig. Nur ein Drittel soll an die Bahn selbst gehen. Hier zeigt sich der erste Webfehler: Die Bahn erhält zu wenig Geld. Nicht umsonst gilt bei Börsengängen die Grundregel, dass mindestens die Hälfte des Erlöses an das Unternehmen selbst und nicht an Altaktionäre fließen muss. Zu Recht. Woher sonst sollen die Mittel für Wachstum kommen? Dass der Bund im Fall Bahn ebenfalls ein Drittel erhält und das dritte Drittel in den Schienenverkehr investiert wird, verträgt sich schlicht nicht mit den Zielen und verschlechtert die Aussichten.

Zweiter Webfehler: Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee verlangt, dass die Bahn ihren Erlösanteil aus dem Börsengang für nationale Innovation und Investitionen verwendet. Derartige Vorgaben muss sich der Minister schnellstens abgewöhnen. Bereits jetzt, spätestens nach der Emission ist die Bahn ein Unternehmen, das an Renditen und Dividenden gemessen wird, an nichts anderem. Dafür benötigt sie unternehmerische Freiheit. Politische Fußfesseln sind unerwünscht. Sie schaden sowohl dem Unternehmen selbst als auch dem Aktienkurs an der Börse.

Beherzigt der Bund das Einmaleins der Börsen und halten sich die Politiker mit Ratschlägen vornehm zurück, dann sind die Kurschancen für die Bahn gar nicht schlecht. Und für Anlageprofis wird sich das eingegangene Risiko auszahlen. Am Ende könnte als Belohnung sogar der Aufstieg in die Topliga der heimischen Aktien, den Deutschen Aktienindex, warten.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte

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