Bahn-Tarifstreit
Kommentar: Weiße Salbe

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Die Bahn hat in den vergangenen Wochen immer wieder deutlich gemacht, dass sie der Gewerkschaft der Lokomotivführer (GDL) keinen eigenen Tarifvertrag zubilligen will. Nun lenkt das Unternehmen doch ein. Hat sich die Bahn also von der GDL den Schneid abkaufen lassen? Ganz und gar nicht. Ein Tarifvertrag, der sich „konflikt- und widerspruchsfrei“ in das Tarifwerk der Bahn einfügt, ist nur nominal ein eigener Tarifvertrag. In der Praxis jedoch ist er nichts weiter als weiße Salbe.

Offensichtlich geht es der Bahn darum, dem Chef der Lokomotivführergewerkschaft, Manfred Schell, einen gesichtswahrenden Ausstieg aus dem Tarifstreit zu ermöglichen. Allenfalls könnte die GDL bei künftigen Tarifverhandlungen mit dem formal eigenständigen Tarifvertrag winken und ihn als Druckmittel einsetzen. Möglicherweise wird der Tarifvertrag mit der GDL aber so kurz und klein verhandelt, dass er in der Praxis überhaupt keine Bedeutung hat. Die Tarifeinheit jedenfalls, die die Bahn verständlicherweise mit Zähnen und Klauen verteidigt, dürfte kaum gefährdet sein.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent

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