Bahnstreik
Kommentar: Ende mit Schrecken?

Seit fünf Monaten köchelt der Konflikt zwischen Bahn und GDL auf Sparflamme vor sich hin. Gut, dass der Arbeitskampf jetzt endlich richtig beginnt. Es muss wehtun.

Hat sich eigentlich jemand gemerkt, seit wann bei der Deutschen Bahn immer wieder einmal ein wenig gestreikt wird? Zur Erinnerung: Im Juli gab es die ersten Arbeitsniederlegungen, seit fünf Monaten köchelt der Konflikt auf Sparflamme vor sich hin. Die wenigen Streiktage haben – von einigen Pendlern abgesehen – niemandem so richtig wehgetan. Die Bahn hatte kaum Einnahmeverluste, die Lokführergewerkschaft GDL musste nur selten in ihre Streikkasse greifen.

Deshalb ist es gut, dass der Arbeitskampf jetzt endlich richtig beginnt – auch wenn das im ersten Moment ein wenig sonderbar klingen mag. Bahn und GDL waren bislang nicht zu einem Kompromiss in der Lage. Stattdessen wird ein echter Machtkampf ausgetragen – und nun ein massiver Streik, wie es ihn in Deutschland lange nicht mehr gegeben hat.

Bahn und GDL werden versuchen, sich gegenseitig niederzuringen. Und das geht nur, wenn der Streik anfängt, richtig wehzutun. 42 Stunden Zwangspause im Güterverkehr sind die erste ernsthafte Attacke der GDL auf den Arbeitgeber Bahn. Und als nächste Eskalationsstufe hat sie bereits unbegrenzte Streiks für Personen- und Güterverkehr angedroht, vielleicht schon nächste Woche.

Unternehmen und private Kunden werden sich zurecht darüber ärgern. Aber jetzt ist das Signal dafür da, dass der Arbeitskampf endlich in seine entscheidende Phase kommt. Das könnte bedeuten, dass sich beide Seiten schon bald zu echten Verhandlungen an einen Tisch setzen müssen – weil sie ein einschneidender Streik dazu zwingt.

Bahn-Kunden sind es leid, der seit Monaten anhaltenden Entscheidungsunfähigkeit von Bahn und GDL ausgesetzt zu sein. Deshalb lieber jetzt eine scharfe Auseinandersetzung mit absehbarem Ende als noch etliche Wochen der Ungewissheit.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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