Bahnstreik
Letzter Versuch

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Bis zu 13 Prozent mehr Geld – das klingt gut. Die ganz große Mehrheit der Gehaltsempfänger in Deutschland kann von so einem Abschluss nur träumen. Warum zögert die Gewerkschaft der Lokomotivführer (GDL) also überhaupt noch eine Sekunde?Weil das jüngste Angebot der Deutschen Bahn aus der Sicht ihrer Mitglieder eine Mogelpackung ist. Und weil die Bahn sich in der Frage des eigenen Tarifvertrags nicht bewegt.

Tatsächlich besteht das 13-Prozent-Angebot der Bahn aus verschiedenen Komponenten, die man nur mit sehr viel gutem Willen zu einem zweistelligen Wert zusammenzählen kann. Da sind zunächst die 4,5 Prozent Tariferhöhung. Der Wert entspricht exakt dem Abschluss, auf den sich Transnet und GDBA im Juli mit der Bahn verständigt hatten. Hinzu kommt ein weiteres Prozent, das dazu dient, die Entgeltstruktur im Sinne der Lokführer nach oben anzupassen. Macht zusammen 5,5 Prozent. Danach wird die Bahn fantasievoll: 2,5 Prozentpunkte sollen durch neue Arbeitszeit- und Zulagenregelungen erwirtschaftet werden. Das ist in verschiedene Richtungen interpretierbar. Weitere fünf Prozentpunkte kommen für solche Lokführer hinzu, die bereit sind, zwei Stunden pro Woche länger zu arbeiten. Zwei Stunden – das sind fünf Prozent der Wochenarbeitszeit. Dass es dafür auch fünf Prozent mehr Geld geben soll, ist aus der GDL-Sicht nur eine schlichte Selbstverständlichkeit.

In der Frage des eigenen Tarifvertrags bleibt die Bahn hart. Die GDL wird sich damit nicht zufriedengeben können. Es muss eine Regelung her, welche die Eigenständigkeit eines Tarifvertrages zwischen Bahn und GDL stärker betont. Nur unter dieser Bedingung werden die Kontrahenten am Montag einen Durchbruch erzielen können. Der Fortgang des Tarifstreits bleibt also spannend.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent

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