Balda
Schrecken ohne Ende

Es gibt eine Grundregel bei der Balda AG aus Bad Oeynhausen. Es kommt immer noch schlimmer, als man denkt. Dies gilt auch im April 2008, obwohl die Anleger immer schwerer zu schocken sind.
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Es gibt eine Grundregel bei der Balda AG aus Bad Oeynhausen. Es kommt immer noch schlimmer, als man denkt. Dies gilt auch im April 2008, obwohl die Anleger immer schwerer zu schocken sind. Allein in den vergangenen Monaten überraschte der Handyausrüster mit einer hastig anberaumten Kapitalerhöhung, einem vermasselten Verkauf von Tochterfirmen und als Höhepunkt sprach das Unternehmen im März sogar von Insolvenzgefahr. Die Bilanzvorlage wurde erst einmal verschoben.

Trotz dieser düsteren Vorzeichen setzt Balda in Sachen schlechte Nachrichten heute noch einmal eins drauf. 73 Millionen Euro Jahresfehlbetrag – ein solches Ergebnis sprengt den Rahmen, der bisher vorstellbar war. Sicher, der Großteil der Verluste stammt aus den Tochterfirmen, die man eigentlich längst verkauft haben wollte. Doch auch hier bleiben Fragen. Balda hatte den Verkauf rückgängig gemacht, weil man der Ansicht der Käufer habe die Verluste viel zu hoch angesetzt. Balda selbst war stets von einem niedrigen zweistelligen Millionenbetrag ausgegangen.

Nun gibt Balda allein die operativen Verluste der betreffenden Tochterfirmen mit 32 Millionen Euro an. Hinzu kommen 13 Millionen Euro an Wertberichtigungen und 19 Millionen Euro aus Ergebnisabführungsverträgen. Macht 64 Millionen Euro Minus – eine schier unglaubliche Summe. Inzwischen, sagt Vorstandschef Gut, verhandelt man wieder mit mehreren Interessenten über den Verkauf dieses Geschäfts. Der Erfolg ist zweifelhaft. Selbst Mitarbeiter sagen, es gebe hier weder Aufträge noch ein ernstzunehmendes Produkt. Schon steht die Schließung der drei Töchter Raum – natürlich wieder auf Kosten des Gesamtunternehmens. Dem Aktienkurs kann all dies nicht gut tun.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche

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