Banken
Banker müssen Vertrauen wiedergewinnen

Eine Krise, für die niemand die Verantwortung übernimmt, ist eine enorme Belastung für die Zukunft. Woher soll das Vertrauen kommen, dass sich das Desaster nicht wiederholt, wenn keiner dafür geradesteht, dass er den Karren vor die Wand gefahren hat? Banker müssen sich zu Fehlern bekennen, wenn sie wieder Vertrauen gewinnen wollen.
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Eine Krise, für die niemand die Verantwortung übernimmt, ist eine enorme Belastung für die Zukunft. Woher soll das Vertrauen kommen, dass sich das Desaster nicht wiederholt, wenn keiner dafür geradesteht, dass er den Karren vor die Wand gefahren hat? Aber genau das ist zu beobachten: Niemand will die Verantwortung übernehmen.

Es gibt zwei große Debatten zur weltweiten Wirtschaftskrise. Die eine bewegt sich ganz in moralischen Kategorien und läuft darauf hinaus, "die Banker" in die Ecke zu stellen, sie als "Geldsäcke" zu titulieren, ihnen die Fensterscheiben einzuschlagen oder, wie es in Frankreich gerade zum Volkssport wird, Top-Manager als Geiseln zu nehmen. Das Problem bei dieser Diskussion: Sie blendet die tieferen Ursachen der Krise aus, beschäftigt sich kaum damit, warum unser Wirtschaftssystem überhaupt aus den Fugen geraten konnte.

Sie suggeriert, es seien allein moralische Verfehlungen einzelner Menschen für den Absturz verantwortlich. Im Umkehrschluss könnte das System also vor weiteren Abstürzen gerettet werden, wenn sich jeder am Riemen reißt und nicht zu gierig wird. Wenn Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank, gegenüber der "Bild"-Zeitung von "Fehlern" einzelner Kollegen spricht und vor Verallgemeinerungen warnt, steigt er - beschwichtigend - in diese Debatte ein.

Die andere Debatte läuft eher technisch ab. Sie dreht sich um die Frage, durch welche Regeln für die Finanzaufsicht, die Kapitalausstattung der Banken und Auflagen für Managervergütungen die richtigen Anreize gesetzt werden, damit die Banken künftig vernünftiger agieren. Sie ist gut und dringend notwendig. Sie wird letztlich noch zu zaghaft geführt: Welche Konsequenzen zieht die Deutsche Bank für ihr Vergütungssystem? Aber letztlich greift auch diese Diskussion zu kurz. Denn sie blendet, spiegelbildlich zur "moralischen" Gegendebatte, die persönliche Verantwortung für die Misere aus. Hier fühlen sich die Banker am Ende selbst noch als "Opfer" von Systemfehlern.

Hugo Bänziger, der Risikovorstand der Deutschen Bank, hat neulich in einem Vortrag weiter gedacht als Ackermann in seinen Interviews. Er sprach davon, dass die Finanzbranche den "Social Contract", den Gesellschaftsvertrag also, gebrochen habe. Dieser Vertrag besagt: Ihr Banker dürft privat das Geld der Bürger verwalten. Dafür müsst ihr bestimmte Regeln einhalten, damit unser Geld sicher ist. Bänziger stellte klar: Nur wenn sich dieser "Vertrag" erneuern lässt, hat die private Finanzbranche eine Zukunft.

Die Idee des "Vertrags" lässt sich noch erweitern. Beinahe jede Gesellschaft hält nur dadurch zusammen, dass die Eliten, die es sich gutgehen lassen, in den Augen der Mehrheit der Bevölkerung halbwegs anständig dafür sorgen, dass alle etwas abbekommen. Der amerikanische Philosoph John Rawls hat das auf die Formel gebracht: "Ungleichheit ist nur gerechtfertigt, wenn sie auch denen nützt, die ganz unten stehen."

Auch diesen erweiterten Sozialkontrakt haben die Banker gebrochen. Besonders groß ist die Wut darüber in Ländern wie Großbritannien, die stolz auf ihre mächtige Finanzbranche waren. Bei uns bleibt die Wut verhaltener, weil die Deutschen immer eine gesunde Skepsis gegenüber der Finanzbranche hatten. Aber wenn die Arbeitslosenzahlen steigen, dürften auch hier die Emotionen höherkochen.

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