_

Banken: Banker müssen Vertrauen wiedergewinnen

Eine Krise, für die niemand die Verantwortung übernimmt, ist eine enorme Belastung für die Zukunft. Woher soll das Vertrauen kommen, dass sich das Desaster nicht wiederholt, wenn keiner dafür geradesteht, dass er den Karren vor die Wand gefahren hat? Banker müssen sich zu Fehlern bekennen, wenn sie wieder Vertrauen gewinnen wollen.

_
Josef Ackermann spricht von "Fehlern" einzelner Kollegen und warnt vor Allgemeinerungen. Quelle: dpa
Josef Ackermann spricht von "Fehlern" einzelner Kollegen und warnt vor Allgemeinerungen. Quelle: dpa

Eine Krise, für die niemand die Verantwortung übernimmt, ist eine enorme Belastung für die Zukunft. Woher soll das Vertrauen kommen, dass sich das Desaster nicht wiederholt, wenn keiner dafür geradesteht, dass er den Karren vor die Wand gefahren hat? Aber genau das ist zu beobachten: Niemand will die Verantwortung übernehmen.

Anzeige

Es gibt zwei große Debatten zur weltweiten Wirtschaftskrise. Die eine bewegt sich ganz in moralischen Kategorien und läuft darauf hinaus, "die Banker" in die Ecke zu stellen, sie als "Geldsäcke" zu titulieren, ihnen die Fensterscheiben einzuschlagen oder, wie es in Frankreich gerade zum Volkssport wird, Top-Manager als Geiseln zu nehmen. Das Problem bei dieser Diskussion: Sie blendet die tieferen Ursachen der Krise aus, beschäftigt sich kaum damit, warum unser Wirtschaftssystem überhaupt aus den Fugen geraten konnte.

Sie suggeriert, es seien allein moralische Verfehlungen einzelner Menschen für den Absturz verantwortlich. Im Umkehrschluss könnte das System also vor weiteren Abstürzen gerettet werden, wenn sich jeder am Riemen reißt und nicht zu gierig wird. Wenn Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank, gegenüber der "Bild"-Zeitung von "Fehlern" einzelner Kollegen spricht und vor Verallgemeinerungen warnt, steigt er - beschwichtigend - in diese Debatte ein.

Die andere Debatte läuft eher technisch ab. Sie dreht sich um die Frage, durch welche Regeln für die Finanzaufsicht, die Kapitalausstattung der Banken und Auflagen für Managervergütungen die richtigen Anreize gesetzt werden, damit die Banken künftig vernünftiger agieren. Sie ist gut und dringend notwendig. Sie wird letztlich noch zu zaghaft geführt: Welche Konsequenzen zieht die Deutsche Bank für ihr Vergütungssystem? Aber letztlich greift auch diese Diskussion zu kurz. Denn sie blendet, spiegelbildlich zur "moralischen" Gegendebatte, die persönliche Verantwortung für die Misere aus. Hier fühlen sich die Banker am Ende selbst noch als "Opfer" von Systemfehlern.

Hugo Bänziger, der Risikovorstand der Deutschen Bank, hat neulich in einem Vortrag weiter gedacht als Ackermann in seinen Interviews. Er sprach davon, dass die Finanzbranche den "Social Contract", den Gesellschaftsvertrag also, gebrochen habe. Dieser Vertrag besagt: Ihr Banker dürft privat das Geld der Bürger verwalten. Dafür müsst ihr bestimmte Regeln einhalten, damit unser Geld sicher ist. Bänziger stellte klar: Nur wenn sich dieser "Vertrag" erneuern lässt, hat die private Finanzbranche eine Zukunft.

Die Idee des "Vertrags" lässt sich noch erweitern. Beinahe jede Gesellschaft hält nur dadurch zusammen, dass die Eliten, die es sich gutgehen lassen, in den Augen der Mehrheit der Bevölkerung halbwegs anständig dafür sorgen, dass alle etwas abbekommen. Der amerikanische Philosoph John Rawls hat das auf die Formel gebracht: "Ungleichheit ist nur gerechtfertigt, wenn sie auch denen nützt, die ganz unten stehen."

Auch diesen erweiterten Sozialkontrakt haben die Banker gebrochen. Besonders groß ist die Wut darüber in Ländern wie Großbritannien, die stolz auf ihre mächtige Finanzbranche waren. Bei uns bleibt die Wut verhaltener, weil die Deutschen immer eine gesunde Skepsis gegenüber der Finanzbranche hatten. Aber wenn die Arbeitslosenzahlen steigen, dürften auch hier die Emotionen höherkochen.

Zurück
  • Kommentare
Kommentar: Deutsche Konzerne sollten in Brasilien zugreifen

Deutsche Konzerne sollten in Brasilien zugreifen

Für Deutschlands Konzerne bieten sich in Brasilien zur Zeit gute Gelegenheiten. Denn die Regierung privatisiert große Teile ihrer Firmen. Eine Ausrede für fehlendes Engagement gibt es diesmal nicht.

Kommentar: Sieg der Vernunft

Sieg der Vernunft

Bei dem Vergleich mit den Kirch-Erben ist die Deutsche Bank bereit, einen hohen Preis zu zahlen. Doch die Einigung in dem jahrelangen Rechtsstreit kommt spät - zu spät für Leo Kirch.

  • Kolumnen
Was vom Tage bleibt: Brandgefährliche Reformen und bizarre Machtkämpfe

Brandgefährliche Reformen und bizarre Machtkämpfe

Wirklich aufatmen kann die EU noch nicht: Das Sorgenkind Athen kommt nicht zur Ruhe und auch der Partner China verspricht keine Stabilität. Die Deutsche Bank dagegen hat ein drängendes Problem gelöst. Der Tagesrückblick

Henkel trocken: Freiheit oder Gleichheit?

Freiheit oder Gleichheit?

Betrachtet man Deutschland mit den Augen eines Deutschen, der sein beruflichen Lebens in allen möglichen Ecken der Welt verbracht hat, wird man besonders sensibel für die Besonderheiten seines Heimatlandes.

Global Reporting Tiefer Griff in die Kasse

Das sorgenvolle Gesicht des Bankers sagte alles: Brady Dougan, Chef der Schweizer Großbank Credit Suisse (CS) und US-Bürger, musste einen Verlust für das vierte Quartal 2011 von mehr als 600 Millionen Franken eingestehen. Bei der... Von Jan Dirk Herbermann. Mehr…

Handelsblog Zum Wochenende: Unser Modetipp für liberale Ökonomen

Wie kleidet sich der liberale Ökonom von heute? Ist doch ganz klar: Mit dem "Adam Smith Tartan". Die Scottish Economic Society hat zu Ehren des Begründers der modernen Volkswirtschaftslehre ein eigenes Schotten-Karo erstellt und im... Von Olaf Storbeck. Mehr…

  • Gastbeiträge
James Dyson: Patentverletzungen sind Diebstahl

Patentverletzungen sind Diebstahl

Die Stärken Deutschlands wie Großbritanniens liegen in der Technik. Diese muss aber besser geschützt werden, sagt Erfinder James Dyson. Er hat am eigenen Leib erfahren, wie es ist, wenn Ideen geklaut werden.

Naher Osten: Der Krieg gegen Iran ist längst im Gang

Der Krieg gegen Iran ist längst im Gang

Morde an Wissenschaftlern, Stuxnet und Sabotage: Israel versucht seit geraumer Zeit, die Atomrüstung Teherans zu stoppen. Das geht auch ohne den Einsatz von Kampfjets. Ein Gastkommentar.

Gastkommentar: Denn sie wissen, was sie tun

Denn sie wissen, was sie tun

Henrik Enderlein, Professor für politische Ökonomie, glaubt an eine Rettung Griechenlands. Eine Einigung zwischen Troika und Athen werde gelingen. Doch das mache Hellas weder solventer, noch beende es die Euro-Krise.

  • Presseschau
Presseschau: Krisenbewältigung allein rettet Europa nicht

Krisenbewältigung allein rettet Europa nicht

Die Wirtschaftspresse befürchtet, dass die starre Fokussierung Europas auf die Rettung des Euro den Blick für weitere, Wachstumsimpulse verstellt und sucht schon mal neue Perspektiven für Investoren. Die Presseschau.