Banken
Eines Morgens in Frankfurt

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Wie in dem Abzählreim aus Kindergartenzeiten über die „zehn kleinen Negerlein“ schrumpft derzeit die Zahl der Übernahmekandidaten am deutschen Bankenmarkt. Nach der Hypo-Vereinsbank (HVB), der Berliner Bank, der Norisbank und der Landesbank Berlin ging nun auch der lange als Übernahmekandidat gehandelte Staatsfinanzierer Depfa über den Ladentisch. Übrig ist im Grunde nur noch ein alter Klassiker: die Commerzbank. Bei der Betrachtung der Übernahmeserie fällt auf, dass nur die HVB an einen ausländischen Käufer ging. Obwohl seit Jahren über den massiven Einstieg ausländischer Banken in den hiesigen Markt geredet wird, wagte sich nur die italienische Unicredit nach Deutschland.So paradox es ist: Offenbar schützen die marktführenden Verbünde der Sparkassen und Kreditgenossen durch ihre selbst gewählte Unantastbarkeit ihre privatwirtschaftliche Konkurrenz vor ausländischem Zugriff.

Jenseits der Grenzen schreckt man vor dem Eintritt in den margenschwachen deutschen Markt zurück. Bislang jedenfalls. Langsam müssen sich BNP, BBVA, Santander & Co. aber sputen, wollen sie hier zu Lande noch mit einer Übernahme aktiv werden. Man kann sicher sein, dass in den kommenden Tagen wieder Gerüchte über eine Übernahme oder einen Zukauf der Commerzbank über das Börsenparkett geistern. Wer sich von dieser vermutlich ältesten Spekulation am Finanzplatz angewidert abwendet, kann zwar mit dem Verständnis der gesamten Finanzgemeinde rechnen. Aber solange die Fusionitis in Europa anhält, steht die Commerzbank unter Druck: Entweder sie kauft, oder sie wird verkauft. Es wird sein wie mit der Depfa: Eines Morgens wacht Frankfurt auf, und die Commerzbank ist doppelt so groß oder verkauft.

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