Banken
Fusionsfantasien

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Wer bietet mehr? Nur mit Ironie lässt sich den Fusionsspekulationen um die privaten Banken noch begegnen. Galt der angeblich geplante Zusammenschluss von Dresdner Bank, Postbank und Commerzbank schon als verwegen, setzte ein Online-Magazin vergangene Woche noch eins drauf: wieso nicht gleich eine „Superbank“ gründen und die Deutsche Bank miteinbeziehen? Sollten die Gerüchte weiter ins Kraut schießen, dürfte spätestens in 14 Tagen die Vereinigung zum heimischen Allfinanzmonopolisten anstehen – Sparkassen, Landesbanken, Genossenschaftsinstitute inklusive.

Doch bleiben wir nüchtern: Noch ist unklar, wann überhaupt etwas passiert. Und die Zeit drängt. Jedenfalls für die Dresdner Bank: Die Allianz-Tochter blutet mit jedem Tag der Unsicherheit über ihr künftiges Schicksal mehr aus

Die große Bankenkonsolidierung in Deutschland wurde schon oft angekündigt. Und genauso oft ist sie gescheitert. Verhandelt wurden etwa die Kombinationen Deutsche/Dresdner, Deutsche/Commerzbank und Commerzbank/Hypo-Vereinsbank. Letztere wurde dann von der italienischen Unicredit geschluckt. Heimische Konsolidierung? Fehlanzeige – sieht man vom Kauf der Dresdner durch die Allianz und einigen kleineren Transaktionen ab.

Weshalb das so ist? Ganz einfach: Würden – wie nun angeblich angedacht – Commerzbank, Postbank und Dresdner Bank fusionieren, müsste das Management reihenweise Leute auf die Straße setzen, damit es sich rechnet. Und das nicht nur in der Verwaltung und der Abwicklung, nein, auch im Filialnetz. Denn die Zweigstellen der Konkurrenten liegen vielerorts nur wenige Meter auseinander. Doch an einem solchen „Blutbad“ kann der Politik nicht gelegen sein – erst recht nicht kurz vor der Bundestagswahl 2009. Und die Politik mischt im Hintergrund immer mit – zumal sie ja bei der Postbank indirekt noch Großaktionärin ist.

Wem das als Argument gegen eine „Superbank“ nicht genügt, sollte einen Blick auf die Vorstandsvorsitzenden der Großbanken werfen. Weder Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann noch seine Kollegen gelten als von Selbstzweifeln zerfressene Persönlichkeiten. Der Gedanke, zwei oder gar drei von ihnen könnten zum vermeintlichen Wohle des Ganzen freiwillig auf den Chefsessel verzichten, ist absurd. Und zahlreiche Fusionen sind bereits an den handelnden Personen gescheitert. Ein weiterer Punkt: In der Finanzkrise hat sich gezeigt, dass gerade die Landesbanken auf schwachen Beinen stehen – dort wäre die Konsolidierung weitaus dringender. Außerdem dominiert der öffentlich-rechtliche Sektor insgesamt weite Teile des Geschäfts. Solange er ganz außen vor bleibt, würde eine Konsolidierung daher den Gesamtmarkt nur wenig verändern.

Doch die privaten Banken dürfen auch nicht warten, bis die Politik die Landesbanken neu sortiert. Vor allem die Allianz kann nicht ewig Geduld zeigen. Und die wieder einmal beschlossene Aufspaltung der kränkelnden Tochter Dresdner Bank in Privatkundengeschäft und Investmentbank ist ein Indiz dafür, dass sie es auch nicht will. Für das Privatkundengeschäft käme ihr die Postbank, deren Verkauf im laufenden Jahr als so gut wie sicher gilt, gerade recht. So könnte sie den 24 Milliarden Euro schweren Kauf der Dresdner vor sieben Jahren doch noch rechtfertigen. Für die Investmentbank Dresdner Kleinwort ließe sich ein anderer Partner oder ein Käufer finden. Für Häuser aus Russland, Indien oder auch China wäre Dresdner Kleinwort der ideale Brückenkopf für den Sprung in den Westen. Dass die Allianz im Gegenzug in diesen Wachstumsmärkten Ambitionen hegt, lässt das Szenario noch wahrscheinlicher erscheinen.

Doch ob die Allianz mit dem Privatkundengeschäft den weitaus größeren Teil der Dresdner wirklich mit der Postbank kombinieren kann, entscheidet sich in Berlin. Auch für die Mitbewerber Commerzbank und Deutsche Bank gibt es aus Sicht der Politik durchaus gute Argumente. Sie könnten allerdings auch ohne die Postbank leben. Weit größer ist der Handlungsdruck bei der Allianz. Denn die Unsicherheit bei der Dresdner und ihren Mitarbeitern wächst Tag für Tag. Einst stolze Nummer zwei der Branche, gilt die Beraterbank heute vielen als Aschenbrödel. Und dieser Eindruck verfestigt sich mit jedem weiteren Tag, an dem die Allianz mit ihrer Strategie hinter dem Berg hält. Welcher Filialmitarbeiter ist unter diesen Umständen noch motiviert? Welcher Kunde mag bei einem Institut sein Geld anlegen, dessen künftige Eigentümerstruktur im Unklaren liegt?

Die Allianz muss sich beeilen. Sonst könnte sich für die Dresdner Bank die Frage der Konsolidierung bald gar nicht mehr stellen.

Hans G. Nagl
Hans G. Nagl
Handelsblatt / Senior Financial Correspondent

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