Banken
Größe ist Macht

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Schon seit mehr als einem Jahrzehnt reden Europas Banken über ihre Konsolidierung. Allerdings blieb es beim heftigen Diskutieren. Die immer wieder heraufbeschworene Fusions- und Übernahmewelle ließ auf sich warten. Bis zum vergangenen Wochenende: Mit dem beschlossenen Kauf von Capitalia durch den italienischen Konkurrenten Unicredit wurde das Startsignal für Zusammenschlüsse auf allen Ebenen der Kreditwirtschaft in Europa gegeben.

Das hat auch Konsequenzen für Deutschland. Besonders der heimische Branchenprimus, die Deutsche Bank, muss umdenken. Organisches Wachstum ist out, internationale Zukäufe sind in. Wachstum aus eigener Kraft kostet zu viel Zeit. Nur wer die nötige Größe besitzt, wird auf Dauer in der Spitzengruppe mitspielen.

Zugegeben, natürlich hat es in Europa in den vergangenen Jahren größere Fusionen und Übernahmen gegeben. Doch das waren Einzelfälle, in denen auch mal die Grenzen überschritten wurden. Dazu zählt der Kauf der Hypo-Vereinsbank durch die italienische Unicredit oder aber der Erwerb der britischen Abbey National durch die spanische Banco Santander Central Hispano. Aufgerüttelt hat die europäische Finanzgemeinde vor kurzem erst der Fall ABN Amro, deren selbstständige Tage gezählt sind.

Nachdem die Niederländer bei der britischen Barclays Bank unterzuschlüpfen versuchten, meldete sich ein Bankentrio unter der Führung der Royal Bank of Scotland. Die „Dreierbande“ plant, sich ABN zu schnappen, zu filetieren und unter sich aufzuteilen. In dieser Größenordnung hat es eine feindliche Übernahme noch nicht gegeben. Sie zeigt, dass aggressive Zeiten kommen und Europas Banken auch mit brachialer Gewalt versuchen, schnell und kräftig zu wachsen.

Dabei gibt die Globalisierung die Taktzahl für das Wachstumstempo vor. Nur diejenigen Banken entgehen der Gefahr, von der amerikanischen Citi oder von Unicredit geschluckt zu werden, die ihre Größe knallhart nutzen, um Vorteile zu realisieren. Das beginnt bei den Kosten der Informationstechnologie, wo es um Milliardensummen geht. Auch beim Einkauf lässt Marktmacht die Preise schrumpfen.

Gleichzeitig werden immer mehr Arbeitsplätze gerade im Verwaltungsbereich etwa nach Indien oder Polen verlagert. Das lohnt sich nur, wenn das Geldhaus die entsprechende Größe besitzt. Auch die Risikodiversifikation verlangt ausgefeilte Kontrollsysteme gerade auch mit Blick auf die neue Macht der Hedge-Fonds und Finanzinvestoren, die in zunehmendem Maß einerseits Geschäftspartner sind, andererseits aber zu Konkurrenten mutieren. Daneben bauen die Aufsichtsbehörden zusätzlichen Druck auf. In Zeiten des Terrors verschärfen Politik und Regulatoren die Regeln für die Banken, um die Geldströme für Terroristen zum Versiegen zu bringen. Größe macht es leichter, damit umzugehen.

Die deutsche Antwort muss unter diesen Bedingungen heißen: Deutschland braucht große Banken. Am besten gleich drei. Im Einzelnen: Die Deutsche Bank wächst nicht mehr nur aus eigener Kraft, sondern schlägt in großem Stil im Ausland im Privatkundengeschäft zu. Dabei bieten sich die schottische Retailbank HBOS und die britische Lloyds TSB als Kaufobjekte an. Kommt es dazu, besitzt der Finanzplatz Deutschland ein Institut von Format, das im Investment-Banking in der Topliga spielt und durch ein starkes Privatkundengeschäft an Stabilität gewinnt.

Auch die Commerzbank darf nach der Übernahme der Hypothekenbank Eurohypo nicht stehen bleiben, sonst wird sie von einem Ausländer geschluckt. Beim Bieterwettbewerb der Landesbank Berlin ist das Institut zwar dabei. Doch Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller braucht mehr, das ist ein offenes Geheimnis. Am besten passt die Postbank mit ihren knapp 15 Millionen Privatkunden dazu. Hier muss der Bund als Großaktionär der Mutter Deutsche Post Hilfe leisten. Der Erwerb wäre für die Commerzbank eine gute Basis für den Aufbau einer Investmentbank.

Auch für die Sparkassen gibt es kein Zurück. Der Plan, die Landesbank Berlin zu kaufen, passt. Daraus würde für die Sparkassen der Nukleus einer großen Landesbank entstehen, die fähig wäre, international mitzuspielen. Mit ihr wären die Konsolidierung im Inland und Verflechtungen im Ausland möglich.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte

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