Banken
UBS, die Bank der Extreme

Die schweizerische Großbank UBS zeigt wie unter einem Vergrößerungsglas alle selbst verschuldeten Probleme, unter denen die Branche weltweit leidet. Sie steckt voll von Risiken, die zuvor keiner bemerkt hat und die Kunden entziehen ihr das Vertrauen.
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Die schweizerische Großbank UBS zeigt wie unter einem Vergrößerungsglas alle selbst verschuldeten Probleme, unter denen die Branche weltweit leidet. Sie steckt voll von Risiken, die zuvor keiner bemerkt hat, die Kunden entziehen ihr das Vertrauen, sie hat sich durch schlüpfriges Geschäftsverhalten unglaubwürdig gemacht, und sie zeigt im Führungsteam keine jungen, unverbrauchten Manager, die für einen wirklichen Neuanfang stehen. Hinzu kommt: Wer hoch fliegt, kann besonders tief fallen. UBS galt vor der Finanzkrise als Musterbeispiel einer ertragsstarken Bank.

Die ganze Schweiz galt als finanziell extrem konservativer, solider Finanzplatz. Allenfalls Mauscheleien in puncto Steuern hätte man den Eidgenossen auch zu ihren besten Zeiten jederzeit zugetraut. Deswegen hat UBS Kunden und Investoren im wahrsten Sinne des Wortes "ent-täuscht" - viele haben den Eindruck, dass vorher alle Seriosität nur Täuschung war.

Es lohnt sich also zu beobachten, wie UBS sich aus dem Sumpf zieht. Denn es spricht einiges für die These: Wenn diese Bank der Extreme es schafft, dann hat der Rest der Branche auch eine Chance.

Einen guten Ansatzpunkt gab es schon: Die Schweizer haben in einmaliger Offenheit ihre eigenen Fehler im Risikomanagement bekanntgemacht. Eine tatsächlich funktionierende Überwachung von Risiken aufzubauen ist freilich eine schwierigere Aufgabe. Dazu gehören präzise Kennzahlensysteme ebenso wie neue Organisations- und Vergütungsstrukturen, und das alles zusammen muss eine Risikokultur ergeben, in der Leute, die warnen, ernst genommen werden. Wir werden erst in der nächsten Krise wissen, ob das tatsächlich funktioniert, zurzeit geht ohnehin keiner freiwillig große Risiken ein.

Die schwierigste Aufgabe besteht darin, neues Vertrauen aufzubauen. Dazu sind drei Schritte notwendig. Die Bank muss sich konsequent und langfristig aus allen Geschäften zurückziehen, wo die Risiken die Rendite nicht rechtfertigen. Sie muss das so kommunizieren, dass Kunden und Investoren es mitbekommen und verstehen. Und sie darf sich keine Fehler leisten. Nur wenn alles drei geschieht, kann die Zeit die Wunden heilen.

Ein besonderer Punkt betrifft noch den gesamten Finanzplatz Schweiz: Die UBS muss nach ihren Problemen mit den US-Behörden deutlich machen, dass Schweizer Vermögensberatung andere Qualitäten hat, als nur Steuerhinterzieher zu decken. Mit dem Anspruch ist die eidgenössische Branche immer schon aufgetreten, jetzt muss sie den Beweis antreten.

Aber auch damit ist UBS letztlich nur ein Extrembeispiel für alle Banken: Sie müssen Kunden und Investoren jetzt beweisen, dass sie etwas können. Den naiven Glauben daran haben sie selbst zerstört.

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