Bankenboni
Die Stunde der Aktionäre

Die Aktionäre müssen die verzerrte Lastenaufteilung bei den Investmentbanken aufbrechen.

War da was? Fast könnte man den Eindruck gewinnen, die Finanzkrise habe nie stattgefunden. Kaum ein Jahr nach dem Beinahekollaps des Finanzsystems freuen sich viele Banker in der Londoner City schon wieder auf üppige Bonuszahlungen. Kein Wunder, dass das vielen Politikern bitter aufstößt - aber auch den Aktionären sollte es zu denken geben.

Viele Wähler und Steuerzahler, die die Banken im vergangenen Jahr mit Hunderten von Milliarden aus dem Gröbsten herausgeboxt haben, bekommen erst jetzt die volle Wucht der Weltwirtschaftskrise zu spüren. Während den Bürgern höhere Steuern und Arbeitslosigkeit drohen, fahren einige Banken und Banker bereits wieder prächtige Gewinne ein.

Um diese Ungerechtigkeit auszumerzen, denkt die britische Labour-Regierung als letztes Mittel zur Disziplinierung der Geldhäuser über eine Art Strafsteuer auf Bankgewinne nach. Diese Idee ist weniger sozialistisch, als sie auf den ersten Blick wirkt. Jede Bank, auch die Allergesündeste, hat von den Unsummen profitiert, die die Regierungen rund um den Globus in die Stabilisierung des Finanzsystems investiert haben. Ohne Staatsgarantien und Bürgschaften gäbe es heute keine funktionierenden Märkte, die den Goldman Sachs dieser Welt Milliardengewinne bescheren.

Warum sollen die Banken also nicht einen Teil der indirekten Staatshilfen wieder zurückzahlen? Und warum nicht über eine Art Strafsteuer, die die Sondergewinne abschöpft, die entstehen, weil die Finanzkrise einen erheblichen Teil der Konkurrenz vom Markt gefegt oder paralysiert hat?

Die Diskussion zeigt vor allem, dass das Grundproblem der Boni trotz der Reformen der vergangenen Monate nicht gelöst ist. Inzwischen stimmen zwar die Anreize, die Banken belohnen mit ihren Ausschüttungen nicht mehr kurzfristige, sondern langfristige Erfolge. Aber es gibt nicht viele Branchen, in denen die Angestellten überhaupt auf die Idee kommen, dass ihnen die Hälfte der Gewinne zusteht, die ihr Arbeitgeber erwirtschaftet.

Im Investment-Banking geht dieses Prinzip auf die Zeit zurück, als die Geldhäuser noch als Partnerschaften organisiert waren. Die Partner kassierten die Gewinne und standen für die Verluste gerade. Heute sind quasi alle großen Investmentbanken börsennotiert, die Gewinne sollen aber offenbar auch nach der Finanzkrise zum Großteil an die Banker fließen, während die Anteilseigner (oder im Notfall der Staat) die Verluste tragen müssen.

Es wäre aber Sache der Aktionäre, als Eigentümer diese verzerrte Lastenverteilung aufzubrechen. Erst wenn sie an dieser Aufgabe scheitern, sollte der Staat mit Strafsteuern oder ähnlichen Zwangsmaßnahmen eingreifen.

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