Bankenkonsolidierung
Dresdner und Commerzbank – der kleine Riese

Die Fusion von Commerzbank und Dresdner Bank rückt näher. Eine zweite deutsche Billionenbank – das wäre nach langer Zeit wieder einmal ein wirklich bedeutsamer Konsolidierungsschritt in der deutschen Bankenlandschaft. Aber er wird die Strukturen der Branche nicht aufbrechen.
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Es war das Jahr 2007, als die Vokabel vom "zweiten deutschen Bankenchampion" in der Bundespolitik ihre Runde machte. Der damalige Postchef Klaus Zumwinkel hatte den tristen Spätherbst 2007 mit Anmerkungen geschmückt, ein Verkauf der Postbank sei nicht ausgeschlossen. Und gleich entstanden in den Köpfen der Politiker Szenarien einer Bildung von großen, starken, deutschen Banken. Schließlich ziehen seit Jahren ausländische Konkurrenten an den deutschen Instituten vorbei.

An diesem Wochenende nun könnte tatsächlich ein zweiter deutscher Bankenriese entstehen - aus Commerzbank und Dresdner Bank, den derzeit zweit- und drittgrößten Instituten des Landes. Mit einer Bilanzsumme von zusammengerechnet gut 1,1 Billionen Euro wäre es nach der Deutschen Bank mit gut zwei Billionen Euro die unangefochtene Nummer zwei hierzulande.

Eine zweite deutsche Billionenbank - das wäre nach langer Zeit wieder einmal ein wirklich bedeutsamer Konsolidierungsschritt in der deutschen Bankenlandschaft. Aber diese Landschaft wirklich verändern würde er nicht. Dazu wäre der neue "Riese" immer noch zu klein, und dazu sind die Strukturen viel zu festgefahren.

Im Universalbankenlager hat es eine große Fusion zuletzt vor zehn Jahren gegeben bei der Fusion von Bayerischer Hypotheken- und Wechselbank und Bayerischer Vereinsbank zur Hypo-Vereinsbank, der zweitgrößten deutschen Bank. 2006 erreichte die Commerzbank mit der Übernahme der Eurohypo für rund 4,5 Milliarden Euro dann Platz zwei - ein wichtiger, aber nicht ganz so entscheidender Schritt für die Branche. Milliardenschwere Verkäufe wie der der deutschen Citibank an die französische Crédit Mutuel in diesem Sommer hingegen sind keine Konsolidierungsschritte, sondern lediglich Besitzerwechsel, die nichts an den Strukturen verändern.

Diese Strukturen sind vor allem eins: zersplittert. 2067 Kreditinstitute tummeln sich der letzten Bundesbankstatistik zufolge auf dem deutschen Markt, davon mehr als 1200 Genossenschaftsbanken und über 450 Institute aus dem Sparkassenlager. Die Zahl sinkt seit Anfang der neunziger Jahre, doch im vergangenen Jahr nur noch marginal.

Gemessen am Marktanteil in Deutschland, dominieren Sparkassen und Genossenschaftsbanken die Bankenlandschaft. Bei Krediten an Nichtbanken etwa ist weniger als die Hälfte des Marktes in der Hand privater Banken. Selbst eine Milliardenfusion zu einem zweiten Bankenchampion wird wenig an den Folgen dieses Systems aus privaten, öffentlichen und genossenschaftlichen Banken ändern, über die sich Kunden freuen und Manager ärgern: dem immensen Wettbewerb und den niedrigen Gewinnmargen im internationalen Vergleich.

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