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Bankenmisere: Versicherungen: Licht- und Schattenseiten

Die Angst vor Versicherern geht um: Aktien- und Anleihenkurse tauchen ab. Doch wirklich passiert ist bisher wenig.

Die Assekuranz steht nach wie vor vergleichsweise gut da. Ihre Prämieneinnahmen sinken in diesem Jahr vielleicht um ein paar Prozent. Doch das ist nicht dramatisch.

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Angesichts der Bankenmisere wundern sich viele über so viel Stabilität. Nahezu alle Kreditinstitute hängen am Tropf des Staates, aber bisher nur ganz wenige Versicherer. Das dürfte auch so bleiben, wenngleich die Probleme nun größer werden. Die starken Kursverluste der Schweizer Rück und der amerikanischen Aflac sind ein Beleg dafür. Gerüchte über gewaltige Verluste in den Anleiheportfolios der Versicherer treiben die Investoren an den Märkten um. Mit gutem Grund: Schließlich haben die Versicherer mehr als 80 Prozent der Kundengelder in festverzinsliche Werte investiert. Das sind nicht nur Staatsanleihen, darunter befinden sich enorm viele Finanztitel, neuartige Mischformen und auch immer mehr riskante Bonds von Unternehmen.

Angst ist jedoch ein schlechter Ratgeber. Die Versicherer dürfen nicht über einen Kamm geschoren werden. Es gibt drei große Gruppen, deren Entwicklung sehr unterschiedlich ist. Am schlechtesten dran sind die Spezialisten für die Altersvorsorge, weil die Menschen im Moment eher keine Lebensversicherungen abschließen mögen und diese Unternehmen ihr Kapital an den Finanzmärkten gewinnbringend anlegen müssen. Solider stehen hingegen Versicherer da, die nur zahlen müssen, wenn ein Unwetter wütet oder ein Unfall passiert ist. Und gute Geschäfte machen sogar jene, die von anderen Versicherern Risiken übernehmen, also sozusagen den Libero spielen. Diese Rückversicherer können ihre Preise im Moment kräftig anheben.

Beruhigen mag, dass viele Versicherungskonzerne von allem etwas haben. Sie haben also die gewünschte Risikostreuung schon systematisch eingebaut. Hinzu kommt, dass das System Versicherung grundsätzlich anders funktioniert als das System Bank. Kapitalprobleme tauchen wegen regelmäßiger Geldeingänge und unregelmäßiger Auszahlungen nicht systematisch auf, sondern nur, wenn sich ein Unternehmen verzockt hat. Das war zum Beispiel bei der amerikanischen AIG am amerikanischen Hypothekenmarkt der Fall. Dass es sich dabei um versicherungsfremde Geschäfte handelte, sei am Rande erwähnt.

Eine neue Rolle für die Stabilität der Branche spielt auch die Rechtsform. Im Brennpunkt des Interesses stehen immer wieder die großen börsennotierten Aktiengesellschaften wie Allianz, Axa oder Generali. Diese Unternehmen wollen ihren Aktionären eine ansehnliche Rendite liefern und agierten deshalb zum Teil gefährlicher nach dem Motto: ohne Risiko keine Rendite.

Daneben gibt es gerade in Deutschland viele Unternehmen, die als Versicherungsvereine organisiert sind. Sie haben weniger aggressive Gewinnziele und sind geringere Risiken eingegangen. Manche von ihnen schauen nun sogar sehr entspannt auf die Krise. Denn sie besitzen kaum noch Aktien und auch so gut wie keine neuartigen Kreditverbriefungen, deren Werte im Zuge der Finanzkrise dramatisch gefallen sind.

Ein neues Problem könnte sie nun aber dennoch treffen: Verluste im Anleihenbestand. Das ist bisher jedoch nur Spekulation, weil es keine verlässlichen Informationen darüber gibt. Grobe Hinweise haben Analysten von den großen Aktiengesellschaften zusammengetragen. Deren Fazit ist bisher: Gerade die Bestände von Unternehmensanleihen sind stark angeschwollen. Wenn in der Krise auch große Konzerne pleitegehen, hängen Versicherer wahrscheinlich mit drin.

Das ist jedoch noch ein Horrorszenario. Ähnliches gilt für ein zweites Problem, das den Managern Sorgen macht: die weitere Zinsentwicklung. Das große Problem jeder Lebensversicherung ist derzeit, dass sie ihr neues Geld momentan nur mit sehr mickrigen Zinsen anlegen kann. Sollten die langfristigen Renditen mehrere Jahre unter drei Prozent fallen, bekommen alle große Schwierigkeiten, ihre Versprechen einzulösen. In Deutschland liegt der Garantiezins der Lebensversicherer im Schnitt derzeit bei 3,4 Prozent. Vorerst gibt es noch reichlich Reserven in den Bilanzen. Erst wenn die aufgebraucht sind, wird es richtig eng. Dann sollte die Wirtschaftskrise vorbei sein.

Das hoffen zwar alle, doch eine Gruppe der Versicherungswirtschaft würde das auch mit einem weinenden Auge sehen. Mehr Geld verdienen in diesem Jahr noch am ehesten die Rückversicherer. Das wird nicht reichen, um die Versicherungswirtschaft insgesamt im Plus zu halten. Doch es ist immerhin ein Lichtblick - in einer Branche, auf die umso mehr Schatten fallen, je länger und härter die Wirtschaftskrise wird.

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