Bankenregulierung
Gute Vorlage aus der Schweiz

Nicht alles, was aus der Schweiz kommt, ist Käse. Mit ihren Vorschlägen zur strengeren Regulierung der Grossbanken haben die Eidgenossen echt Pionierarbeit geleistet. Ein Kommentar von Torsten Riecke.
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Nicht alles, was aus der Schweiz kommt, ist Käse. Mit ihren Vorschlägen zur strengeren Regulierung der Grossbanken haben die Eidgenossen echt Pionierarbeit geleistet.

Nicht nur, weil sie auf die internationalen Standards (Basel III) noch einen Kapitalpuffer von drei Prozent draufschlagen. Nein, mit der Idee einer progressiven Steuer für die beiden systemwichtigen Banken haben die Schweizer die "Too big to fail"-Debatte einen wichtigen Schritt vorangebracht. Wer für die Steuerzahler ein besonderes Risiko darstellt, muss extra Vorsorge betreiben. Zudem können die Banken ihre Belastung selbst mindern, indem sie Risiken abbauen.

Dass die Schweizer Banken dadurch international ins Hintertreffen geraten, ist kaum zu erwarten. Auch bislang schon mussten die Finanzhäuser in der Alpenrepublik höhere Anforderungen erfüllen als ihre Konkurrenten. Und Ökonomen haben herausgefunden, dass eine höhere Stabilität des Finanzsystems mittelfristig sogar Wettbewerbsvorteile bringt. Das gilt gerade für die Schweizer Banken, die im sensiblen Geschäft mit vermögenden Privatkunden weltweit führend sind.

Lobenswert ist zudem, dass die eidgenössischen Finanzwächter es den Banken mit Zwangswandelanleihen erleichtern, den beträchtlichen Kapitalbedarf zu decken. Auf diese Weise werden erstmals auch Anleihegläubiger mit ins Boot geholt, wenn eine Bank in eine Schieflage gerät. Die Käufer solcher Anleihen müssen künftig das Risiko einer Wandlung in Eigenkapital mit einkalkulieren.

Unterm Strich zeigen die Schweizer, dass ein kleines Land durchaus Vorreiter sein kann, wenn es gute Ideen hat. Die anderen sollten sich daran ein Beispiel nehmen.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent

Kommentare zu " Bankenregulierung: Gute Vorlage aus der Schweiz"

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  • Die Schweiz kann nicht anders. Sollten UbS und CS noch einmal derartig gewichtige Probleme haben, könnte das ganze Land an die Wand fahren. Andererseits ließen sich aus den stärkeren Fundamentals der banken Wettbewerbsvorteile schlagen indem deren "Solidität" betont wird.

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