BASF und Engelhard einigen sich
Strategische Meisterleistung

Fünf Monate ging’s hin und her. Die Geduld, die Nachhaltigkeit, das Beharren des Ludwigshafener Chemiekonzern BASF hat sich ausgezahlt. Jetzt lenkte das Management des US-Katalysatorenherstellers Engelhard – endlich, drei Tage vor dem Show-down, der entscheidenden Hauptversammlung – ein.

HANDELSBLATT. In einer offiziellen Stellungnahme hat Walter W. Perry, Engelhards Chairman and Chief Executive Officer, nun verkündet: 39 Dollar seien ein faires Angebot. Und: „Wir haben eine Vereinbarung über eine ordentliche und kooperative Zusammenarbeit getroffen.“

BASF-Chef Jürgen Hambrecht kann sich und vor allem seiner Mannschaft selbst gratulieren: Eine taktische Meisterleistung. Dabei sind die Ludwigshafener ebenso behutsam wie beharrlich vorgegangen. Die Zeit spielte für sie. Sie haben nicht mit dem Geld um sich geworfen, wenngleich einige Analysten das auf 39 Dollar erhöhte und nun gültige Angebot für einen Anteilsschein als zu teuer ansehen. Schließlich muss jetzt BASF – einschließlich zu übernehmender Schulden – für den Deal stolze 5,6 Milliarden Dollar kalkulieren. Aber mit dieser Offerte konnte BASF fast sicher sein, dass es keinen anderen Interessenten gibt, der mithalten konnte. Dafür hat BASF nun ein weiteres starkes Standbein in den USA, dem immer noch wichtigsten Chemiemarkt der Welt

.

Zugleich hat BASF durch zahlreiche begleitende Maßnahmen den Druck auf das Engelhard-Management sukzessive erhöht. Mit dem von ursprünglich 37 Dollar in zwei Schritten auf letztlich 39 Dollar erhöhten Angebot wurden die Daumenschrauben ebenso angezogen wie mit der Aufklärungsarbeit bei den Engelhard-Aktionären – vornehmlich bei den großen Fonds.

Die BASF-Aufklärer konnten vor allem schlüssig erklären, dass das aberwitzig anmutende Angebot, das das Engelhard-Management seinen eigenen Aktionären gemacht hat, nun wirklich nicht förderlich fürs Wohl des Unternehmens und damit für den Shareholder-Value seiner Aktionäre sei. Engelhard wollte doch tatsächlich 45 Dollar in einem Aktienrückkaufprogramm seinen eigenen Anteilseignern zahlen. Zwar nur in einem vorher genau festgelegten Umfang, aber das hätte das US-Unternehmen derart in die Schulden getrieben, dass man von einem umsichtigen kaufmännischen Gebaren wirklich nicht mehr reden konnte.

Damit Engelhards Management schließlich mit seiner Empfehlung an die Aktionäre nicht sein Gesicht verliert, wird in der offiziellen Stellungnahme noch darauf verwiesen, dass BASF auf einige vorher formulierte Bedingungen verzichtet habe, die in dem Merger-Agreement nun nicht mehr enthalten sind. Auch das gehörte zur meisterlichen Strategie der Ludwigshafener, die nun hoffentlich ein gutes Investment tätigen, mit der sie auf Jahre hinaus ihre Ausnahmestellung als Nummer eins im weltweiten Chemiemarkt bewahren.

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