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Behütet, aber pleite

Letzte Ausfahrt Selbstverpflichtung. Wenn sich Industrieverbände auf einem freiwilligen Verhaltenskodex einigen, dann ist die Sache meist schon so verfahren, dass der Staat kurz davor ist, durchzugreifen.

Letzte Ausfahrt Selbstverpflichtung. Wenn sich Industrieverbände auf einem freiwilligen Verhaltenskodex einigen, dann ist die Sache meist schon so verfahren, dass der Staat kurz davor ist, durchzugreifen. Die Mobilfunker wollen jetzt per Kodex die Jugend vor "entwicklungsgefährdenden" Inhalten schützen. Beispiele? Schauen Sie einfach mal nachts manche Bildchen in Werbeblöcken der Jugendsender an. Also verpflichten Vodafone, T-Mobile und Co. sich unter anderem dazu "keine gesetzlich unzulässigen Inhalte (...) zu verbreiten". Na, das freut den Staatsanwalt.

Weniger konkret als bei diesen Selbstverständlichkeiten wird es, wenn es darum geht, Jugendliche vor dem finanziellen Ruin durch ihr Handy zu bewahren - ein wirklich brennendes Problem, wissen die Schuldnerberatungsstellen. Der Einfallsreichtum vieler Firmen ist grenzenlos, um Kinder mit dubiosen und nutzlosen Angeboten zu schröpfen. Da gibt es etwa Webseiten, deren Inhalt man erst sehen kann, nachdem man eine SMS mit einem Zugangscode angefordert hat.

Der horrende Preis - gerne direkt als Abo verbucht, um monatlich zu kassieren - wird nur am Rande erwähnt. Die Handyrechnung als Geldmaschine für Absahner. Aber denken wir positiv und nehmen es als guten Anfang. Erst gegen Schund und Dreck, dann gegen dubiose Abkassierer. Sonst muss doch wieder der Staat ran. 0190 lässt grüßen.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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