Bei der „Berliner Runde“ galt die Devise: Mehr reden, weniger sagen
Politische Kost für Zahnlose in der „Berliner Runde“

Thomas Bellut kam bereits nach einer Stunde ins Schwitzen: "Wir kommen zeitlich völlig ins Rutschen", beklagte sich der Moderator der "Berliner Runde" bei seinen Gästen. Merkel, Clement sollten doch etwas kürzer antworten. Die Bitte hätte sich der ZDF-Mann auch gleich sparen können.

Selbst die Drohung "Herr Stoiber, Ihre Zeit ist abgelaufen" verhallte. Was beim Treffen der Spitzenpolitiker gestern Abend herauskam, hat wieder einmal gezeigt, dass jedes noch so wichtige Thema zu Phrasen-Brei, zur politischen Kost für Zahnlose, zerredet werden kann.

Dass im Kompaktformat von 90 Minuten für Angela Merkel und die Herren Wolfgang Clement, der den erkrankten SPD-Chef Franz Müntefering vertrat, Edmund Stoiber (CSU), Joschka Fischer (Grüne) und Guido Westerwelle (FDP) nicht viel Platz für Diskussion bleiben würde, war jedem klar. Doch herrschte offensichtlich bei allen die Einsicht vor: Schlichte Rhetorik verspricht mehr Erfolg als komplexe Inhalte. "Die Unionspläne sind ein Rezessionsprogramm", "Beim Wachstum muss Deutschland in der EU wieder die rote Laterne abgeben". Es galt die Devise: Mehr reden, weniger sagen.

Rhetorisch waren alle Diskutanten deshalb voll auf der Höhe - selbst Fischer, der sich stimmgeschädigt durch die Sendung krächzte. "Wir wollen unser Sozialsystem erneuern und nicht zertrümmern", "Wir müssen über die Zukunftsfähigkeit unseres Landes sprechen", "Wir sind am Anfang einer Trendumkehr". Bevor es ans Ohr drang, war vieles schon wieder weggefiltert. Schnell war klar - bei diesem Anlass wird nicht geredet, sondern drauflosschwadroniert.

Blieb nur noch ein Blick auf die Kanzlerkandidatin. Die CDU-Chefin, die sich erst nach ein paar Minuten mit der Kameraführung anfreundete, schlug sich in der Macho-Gruppe erstaunlich gut. Oft genug bei ihren Fernsehauftritten vor allem an ihrem Make-up und an der Farbe ihrer Hosenanzüge gemessen, setzte sie sich von Anfang an energisch durch: "Sie hören mir jetzt bitte zu" mahnte Merkel den Außenminister und arbeitete die Vorwürfe des Kontrahenten ab. Immer wieder betonte die Herausforderin von Gerhard Schröder ihre Hauptbotschaft: Deutschland ist besser, als es Rot-Grün bisher zugelassen hat.

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