Beiersdorf - Allianz- Tchibo - Hamburg
Deutsche Salbe

Beiersdorf bleibt deutsch, sogar hanseatisch. Nach Jahren beharrlichen Werbens hat Tchibo die Kontrolle über den Hamburger Tesa- und Nivea-Konzern übernommen. Allein hat es der hanseatische Kaffeeröster freilich nicht geschafft: Neben Beiersdorf selbst musste die Freie und Hansestadt Hamburg helfend eingreifen.

Beiersdorf bleibt deutsch, sogar hanseatisch. Nach Jahren beharrlichen Werbens hat Tchibo die Kontrolle über den Hamburger Tesa- und Nivea-Konzern übernommen. Allein hat es der hanseatische Kaffeeröster freilich nicht geschafft: Neben Beiersdorf selbst musste die Freie und Hansestadt Hamburg helfend eingreifen, um einen ausländischen Interessenten abzuschlagen, den US- Multi Procter & Gamble.

Für den Ersten Bürgermeister Ole von Beust ist das ein Grund zum Feiern und Schulterklopfen. Für die freien Aktionäre, denen Tchibo kein Angebot machen muss, gibt es dagegen keinen Grund zur Freude. Und die Hamburger Bürger fragen sich wie der Rest der Republik, ob der Stadtstaat eine Beteiligung an Beiersdorf braucht – selbst wenn es sich um ein solides, gewinnträchtiges Unternehmen handelt und nicht um einen Pleitekandidaten, der die Staatskassen belastet.

Die Frage stellen heißt, sie zu beantworten. Die Hansestadt ist mit 21,7 Milliarden Euro verschuldet. Für jeden der 1,7 Millionen Einwohner sind das 12 550 Euro – ein Spitzenwert selbst unter den chronisch unterfinanzierten deutschen Landeshaushalten. Hinzu kommt nun eine nicht gerade billige Beteiligung. Auch wenn sie den Haushalt dieses und nächstes Jahr nicht belasten soll – Hamburg braucht nicht mehr, sondern weniger Staatsbeteiligungen.

Leider gibt es genügend Beispiele dafür, wie es der Deutschland AG, jenem eigenartigen Geflecht aus Industrie und Politik, gelungen ist, ausländische Konzerne von deutschen Unternehmen fern zu halten. Neu ist, dass dies inzwischen öfter auf der Ebene der Städte oder Stadtstaaten geschieht. Erst vor kurzem haben die klammen Kommunen Dortmund und Bochum, die Schwimmbäder und Büchereien schließen müssen, den Wasserversorger Gelsenwasser gekauft, um ihn vor der Übernahme durch einen französischen Konzern zu schützen. Offiziell sollen immer die industrielle Basis und die Steuereinnahmen gesichert werden. Doch inoffiziell geht es um politische Einflussmöglichkeiten. Deutschlands Attraktivität für ausländische Investoren leidet unter diesem Doppelspiel.

Die Hybris öffentlicher Beteiligungen scheint keine Grenze zu kennen. Sollte die Commerzbank Ziel einer Übernahmeattacke werden, müssen wir uns vermutlich auf ein Gegenangebot des Frankfurter Hochbauamtes einrichten.

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