Berlin
Wowibär im Winterschlaf

Mit putzigen Spielzeugbären hat Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit im Wahlkampf geworben. Jetzt, nach verlorener Klage auf Sonderhilfen des Bundes, soll es offenbar genau so plüschig weitergehen.

Nachdem die Hoffnungen auf Milliardenzuweisungen so derb enttäuscht wurden, müsste ein Weckruf durch die rot-rote Koalition gehen, die über ihren Fortsetzungsvertrag verhandelt: Der Sparkurs muss verschärft werden. Doch Wowereit macht das genaue Gegenteil. Er schließt eine schärfere Konsolidierung aus, genau wie den Verkauf von Wohneigentum oder zusammengelegte Opernhäuser. Warum? Na, weil SPD und PDS es eben nicht wollen, das reicht ja wohl als Grund! Es ist diese verbohrte Mischung aus Wurstigkeit und etatistischer Sturheit, die einen an Berlin schier verzweifeln lässt. Wo andere Städte und Regionen alles daransetzen, kreative Potenziale und Investoren anzuziehen, verhält die Berliner Politik sich überwiegend immer noch so, als habe sie das gar nicht nötig.

Ausnahmen wie Finanzsenator Thilo Sarrazin bestätigen die Regel. Sie dringen nur begrenzt durch in einer Stadt, in der Subventionsmentalität West und preußischer Obrigkeitsstaat Ost eine fatale Liaison eingegangen sind. Hier halten sich eher Figuren wie die Bankenskandal-Ikone Rüdiger Landowski (CDU), die anderswo längst einen bürgerlichen Tod gestorben wären. Berlins Politik ist die ganz große Koalition aller, die den Staat anbohren, vom Sozialhilfe- bis zum Immobilienbetrüger. Und über allen lächelt schläfrig der Wowibär. In den härteren Zeiten, die jetzt bevorstehen, wird das Biotop dieser Dickfeller verschwinden. Leider wird in der Zwischenzeit noch viel kostbare Zeit ungenutzt verstreichen.

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris
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