Bertelsmann
Mein RTL

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Die Rechnung von Bertelsmann-Chef Gunter Thielen und Finanzvorstand Thomas Rabe ist einfach: RTL soll den Schuldenberg des Gütersloher Mutterkonzerns abtragen. Bertelsmann übernimmt daher für bis zu 1,3 Milliarden Euro die restlichen zehn Prozent der Luxemburger RTL Group. Damit gehört ihm die Cash-Cow ganz allein – er kann sie noch besser melken und damit seine Schulden zurückzahlen.

Doch der Plan hat Haken. Mit der Übernahme paralysiert das Tandem Europas größten Medienkonzern. Dem neuen Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski, der zum Jahreswechsel die Regie übernimmt, bleibt kaum noch Geld für Zukäufe. Das ist umso fataler, weil Bertelsmann schon seit eineinhalb Jahren im Vergleich zu Konkurrenten wie News Corp. oder Viacom nur wenig Geld für Investitionen zur Verfügung hatte. Denn der Konzern musste auf Wunsch der Patriarchenfamilie Mohn für 4,5 Milliarden Euro ein Viertel der eigenen Aktien von dem belgischen Investor Albert Frère zurückkaufen. Der Branchenprimus hat ein Wachstumsproblem, auf das Ostrowski dringend eine Antwort finden muss. Denn Thielens ursprünglicher Plan, aus eigener Kraft zu wachsen, ist gescheitert.

Mit ihrem RTL-Plan stehlen Thielen und Rabe dem neuen Konzernchef Ostrowski nun die große Weihnachtsshow. Nächste Woche tritt er mit großem Tamtam vor dem versammelten Management in Berlin an, um die neue Konzernstrategie zu verkünden. Viel Neues wird Ostrowski nicht erzählen können. Hinzu kommen jede Menge ungelöster Probleme. Die kennt Ostrowski nur zu gut. Denn auch bei der Bertelsmann-Tochter Arvato, die er zurzeit noch leitet, läuft längst nicht mehr alles rund. Davon können die Bertelsmann-Drucker ein Lied singen. Der Bereich Tiefdruck, der zu Arvato gehört, steht geschäftlich mächtig unter Druck.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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