Bewertung
Was heißt hier fair?

Fair Value ist missbraucht worden, kann aber ein baustein für mehr Transparenz sein. Abschaffen sollte man die Norm deshalb nicht.
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Schon der Begriff stiftet Verwirrung: Fair Value. Er suggeriert, dass die Normen der internationalen Rechnungslegung "fairer" sind als beispielsweise die des guten alten Handelsgesetzbuchs. Die Politik ist erst jetzt wach geworden und fordert wegen des Desasters bei den Banken die Abschaffung des Fair-Value-Prinzips.

Leider werden einmal mehr Ursache und Verstärker der globalen Finanzkrise verwechselt. Die Bewertung von Vermögensgegenständen nach dem aktuellen Zeitwert (Fair Value) ist nicht der Auslöser der Krise. Zeitwerte haben die Krise aber zweifellos verschärft. Diese extreme Wirkung kommt unerwartet. Fair Value soll dazu dienen, die Werthaltigkeit des Unternehmensvermögens richtig und aktuell darzustellen.

Es ist also ein wichtiger Baustein für mehr Transparenz. Man könnte ihn zwar, aber man sollte ihn nicht abschaffen. Nur muss die Hebelwirkung dringend entschärft werden. Wenn es zeitweise keinen Markt für bestimmte Wertpapiere gibt, sollten Unternehmen nicht gezwungen sein, auf null abzuschreiben. Vielleicht lässt sich das mit doppelter Buchführung regeln: eine für Markt-, eine zweite für Buchwerte.

Aber auch das wird Mogelpackungen am Ende nicht verhindern. Solange Vermögenswerte außerhalb der Konzernbilanzen geparkt werden dürfen, solange selbst kleinste Banken mit wenig Eigenkapital ein Riesenrad drehen dürfen, so lange ist niemand vor Überraschungen sicher.

Schutz bietet schon eher die Haftung der Manager. Warum dürfen die eigentlich ihre Tantieme aus Bewertungsgewinnen früherer Jahr behalten? Wären sie nämlich rückzahlungspflichtig, hätten die Herren Vorstände mit Sicherheit besser aufgepasst. Oder sie hätten das Fair-Value-Prinzip weniger zu ihren Gunsten ausgelegt.

Dieter Fockenbrock
Dieter Fockenbrock
Handelsblatt / Chefkorrespondent

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