Bezahlfernsehen: Murdoch spielt nach

Bezahlfernsehen
Murdoch spielt nach

Im malerischen Oldenburg startete Leo Kirch vor knapp zwei Jahrzehnten das erste Bezahlfernsehen in Deutschland. Der Medienunternehmer war davon überzeugt, dass werbefreies Fernsehen gegen eine monatliche Gebühr ein lukratives Geschäftsmodell ist.
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Niemand ahnte, dass ausgerechnet das Bezahlfernsehen 20 Jahre später der Auslöser für den Zusammenbruch des Medienimperiums von Leo Kirch sein würde.Für den Sargnagel im Jahr 2002 sorgte sein damaliger Partner Rupert Murdoch. Der australisch-amerikanische Medienmilliardär bestand darauf, für 1,7 Milliarden Euro seinen 22-prozentigen Anteil am Bezahlsender Premiere an Leo Kirch zu verkaufen. Doch der Münchener Filmhändler hatte das Geld nicht. Und Murdoch? Er hatte viel Geld mit Premiere versenkt.

Fünf Jahre nach dem Desaster sorgt der Tycoon aus New York für ein Nachspiel. Überraschend kauft Murdoch für 287 Millionen Euro knapp 15 Prozent der Anteile an Premiere. Damit ist der 76-Jährige wieder im Spiel. Auf seinen Gegenspieler Kirch wird er bald treffen. Denn der einstige Pleitier hat ab der Saison 2009/2010 die Fernsehrechte der Fußball-Bundesliga für sechs Spielzeiten erworben. Das Drei-Milliarden-Geschäft kann sich für Kirch nur auszahlen, wenn er die Live-Rechte an Premiere verkauft. Denn der Pay-TV-Konzern ist der Hauptfinancier der Liga und damit auch von Kirch 2.0. Noch im Frühjahr soll die Rechtevermarktung der Bundesliga starten.

Durch die Rückkehr von Murdoch hat sich die Verhandlungsposition von Premiere verbessert. Denn plötzlich hat das von Krisen geschüttelte Fernsehunternehmen aus dem tristen Unterföhring einen mächtigen Partner aus den USA im Rücken. Murdoch ist schließlich der weltweit größte Betreiber von Bezahlsendern.

Premiere braucht die Bundesliga, aber noch viel dringender braucht Kirch das viele Geld von Premiere, um seine Rückkehr auf dem deutschen Medienmarkt zu finanzieren. Murdoch kennt die Situation genau und wird daher Premiere drängen, in den Verhandlungen Hardball mit Kirch und seinem ruppigen Stellvertreter Dieter Hahn zu spielen.

Die neuen Herren über die Bundesliga sind ohnehin geschwächt. Dem 81-jährigen Patriarchen Kirch macht eine schwere Erkrankung zu schaffen, und die Deutsche Fußball-Liga (DFL) wartet seit Monaten auf seine versprochene Bürgschaft von 500 Millionen Euro für die erste Saison. Die Nervosität in den Clubs über den Partner Kirch wächst. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann sich die ersten Kritiker in den Vereinen aus der Deckung trauen.

Für den deutschen Fernsehmarkt ist die Rückkehr von Murdoch eine gute Nachricht. Nach Jahren der Abstinenz investiert wieder ein großer ausländischer Medienkonzern in die Branche, die sich wehmütig an die goldenen neunziger Jahre erinnert. Das Geschäft ist mittlerweile härter geworden. Erstmals in der Geschichte des Fernsehens in Deutschland ging der Fernsehkonsum im vergangenen Jahr zurück, wenn auch nur leicht. Die neue Konkurrenz aus dem Internet macht sich bemerkbar.

Auch für Premiere werden die Zeiten nicht einfacher. Denn die mächtige und dazu noch weitgehend werbefreie Konkurrenz von ARD und ZDF schmerzt den Bezahlsender. Mit ihrer Digitaloffensive vergrößern die Öffentlich-Rechtlichen ihr Senderangebot sogar noch. Kanäle wie ARD Festival oder ZDF Doku sind dafür Beispiele. An dem ungleichen Wettbewerb kann auch Murdoch nichts ändern.

In der Branche wird nach dem Einstieg des eigenwilligen Medienmoguls aus New York viel über Synergiewirkungen spekuliert. Schließlich gehört Murdoch nicht nur die populäre Senderfamilie Fox, sondern auch das erfolgreiche Filmstudio 20th Century Fox. Doch die Synergien, die Premiere daraus herstellen könnte, sind bescheiden. Denn mit attraktiver Hollywood-Ware ist der Sender ohnehin gut versorgt. Zudem verkaufen die Studios ihre Filme an denjenigen, der das meiste Geld auf den Tisch legt – egal, ob er zur Familie gehört oder nicht.

Mit dem Einstieg bei Premiere hat Murdoch das klare Bekenntnis abgelegt, dass er trotz aller Besonderheiten an die Zukunft des Bezahlfernsehens in der Bundesrepublik glaubt. Mit seinem britischen Pay-TV-Konzern BSkyB hat er vor vielen Jahren vorgemacht, wie lukrativ Bezahlfernsehen sein kann. Davon ist Premiere aber noch Lichtjahre entfernt.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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