Bezahlte Einträge Facebooks Test ist ein Spiel mit dem Feuer

Im sozialen Netzwerk Facebook sollen Nutzer sich die Aufmerksamkeit von Freunden bald erkaufen können. Ein Testprojekt dazu läuft derzeit. Es ist ein Test, der an den Grundfesten des Netzwerks rüttelt. Ein Kommentar.
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Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett

Die Nachricht kam über die neuseeländische Webseite stuff.co.nz und verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Facebook testet in Neuseeland eine Bezahlfunktion, mit der normale Mitglieder - nicht etwa Unternehmen - ihre Nachrichten künstlich aufwerten können. Wird Bares über den Tisch gereicht, erscheint eine neue Meldung hervorgehoben in der Rubrik „Top Stories“, sobald sich ein Facebook-Freund auf der Seite anmeldet. Damit würde sichergestellt, dass alle Freunde die Meldung auch wirklich lesen (müssen). Eine Sprecherin bestätigte den Feldtest.

Der 100-Milliarden-Dollar-Börsenkandidat rüttelt mit dieser neuen potenziellen Einnahmequelle an den Grundfesten seines Netzwerks. Und das gleich aus mehreren Gründen. Bislang sortiert ein Software-Algorithmus die einlaufenden Meldungen nach Relevanz. Bilder oder Statusmeldungen von Freunden, mit denen man viel Kontakt hat und deren Posts man gerne kommentiert, erscheinen bevorzugt. Die nach Facebooks Meinung unwichtigen Meldungen und Personen werden ausgeblendet.

Schon die Umstellung auf dieses Prinzip - statt wie früher alle Meldungen chronologisch einlaufen zu lassen - hatte für viel Ärger gesorgt und lässt einen den Kontakt zu Menschen verlieren, die man eigentlich mag, aber nicht so so oft kontaktiert. Jetzt kommt noch einer oben drauf: Wer ein paar Cent oder Dollar auf den Tisch legt, wird wichtig und darf sich in den Freundeskreis wieder hochkaufen. Das ist so wie früher, als man sich in Suchmaschinen die vorderen Plätze in der Trefferliste erkaufen konnte, statt eine Anzeige zu schalten. Eine Praxis, die nicht gut bei den Nutzern angekommen ist, wie wir heute alle wissen.

Facebook gibt zu allem Überfluss auch noch offen zu, dass ein Nutzer, dank der von Facebook selbst geschaffenen Filter, längst nicht mehr davon ausgehen kann, dass ein Post alle seine Freunde erreicht. Gleichzeitig verweigert mir Facebook aber jegliche Information darüber, wie gut meine Postings angezeigt werden. Vielleicht muss ich ja gar keine Priorisierung kaufen? Oder doch? Egal, willst du sicherstellen, dass jeder mitbekommt, wenn du umgezogen bist, dann zahle besser für diese Nachricht.

Ein Feldtest als Signal für die Wall Street
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7 Kommentare zu "Bezahlte Einträge: Facebooks Test ist ein Spiel mit dem Feuer"

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  • @denzfred
    "Für mich gehört Mark Zuckerberg in den Knast."
    Wieso?
    Er macht nichts illegales. Wenn Millionen von usern dieses Spiel sogar freiwillig mitmachen, ist doch schön für ihn. Keiner wird dazu gezwungen!
    Besseres Überwachungssystem für die Massen können sich die Geheimdienste gar nicht ausdenken.
    Wie schon A. Einstein treffend erkannte:"Das Weltall und die Dummheit der Menschheit ist unendlich. Nur beim Weltall bin ich mir nicht mehr so sicher."

  • Früher gab es nur die Stasi (DDR), den KGB (Sovietunion), den SIS (GB), den Mossad (Israel), die PIDE (Portugal), die CIA (USA), usw. und die Menschen haben sich noch aufgeregt darüber ausspioniert zu werden.
    Heute gibt es Facebook und fast eine Milliarde Deppen prostituieren ihre Daten freiwillig. Ein ausgezeichnetes Beispiel für Massenpsychologie.
    Für mich gehört Mark Zuckerberg in den Knast.

  • Facebook hat einfach erkannt, dass viele Nutzer oft nur Wichtigtuer um jeden Preis sein wollen. Ich habe alle Freunde und Bekannten abgeschafft, die Facebook nutzen. Fuer mich sind diese Leute mit ihrer Darstellungssucht und Dummheit hinsichtlich Datenfreigabe einfach krank und nicht ungefaehrlich fuer meine eigene Datensicherheit. Die sind bei Facebook oft staendig angemeldet und Facebook liest viele Internetbewegungen mit - auch Email-Adressen. Und so erhalte ich ohne jemals Facebook-User gewesen zu sein, Facebook-Spam und sogar Emails mit richtigen Verknuepfungen zu Facebook-Usern, welche ich kenne/kannte.

    Und an Facebook - bitte nehmt diese Typen aus. Verkauft denen bitte auch noch Facebook T-Shirts und aehnlichen Kram. Schafft Platinuser fuer teures Geld und was auch immer diesen Angebern zur Ueberbrueckung ihres gestoerten Selbstbewusstsein hilft. Gruendet gar eine Sekte fuer die - wenn ihr nicht ohnehin schon eine seid.

    Manchmal frage ich mich gar, wenn man Facebook vom Netz nehmen wuerde, wie viele Selbstmorde von Menschen wuerden folgen, welche ploetzlich ihre ganze und vermutlich einzige (virtuelle) soziale Umgebung verloren haben.

  • Damit man gaaaanz viele Freunde hat, und die nicht vergißt. Oder so :).
    Natürlich müssen sich Internetdienste finanzieren, aber einen Mehrwert mit Voyeurismus, Spannen und Selbstdarstellung zu schaffen? Man kann es ja versuchen. Aber mit dem Produkt Mensch kann es eben ganz schnell "in die Hose" gehen. Soziale Beziehungen zu vermarkten, da braucht es mehr als einen Studi, der in einen Geldtopf gefallen ist.

  • Facebook hat bereits die Grenzen des eigenen Wachstums erreicht. Der Trend geht eher dazu, die Lösung des eigenen Accounts zu beantragen. Noch vor 5 Jahren gab es diesen StudiVZ-Hype, der sich nun auch in Luft aufgelöst hat. Die Eigner haben VZ aber noch rechtzeitig jemanden andrehen können. Facebook hingegen ist vom eigenen Erfolg blind und will an die Börse. Augen auf beim Aktienkauf.

  • Wozu braucht man eigentlich so einen Quatsch wie Facebook.......?

  • Das ist doch top!!

    Wenn ich also mal auf den Topf muß und sicherstellen möchte, daß sich aber auch wirklich kein einziger wundert, daß von mir für 15 Minuten keine neuen News kommen, dann wähle ich für dieses break announcement die Bezahlfunktion.

    Danke Facebook!!!

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