Bilanzen
Kommentar: Gelassen in die Zukunft

Anders als nach dem Boomjahr 2000 gehen die Unternehmen diesmal gestärkt in einen Abschwung. Den Beweis liefern die vielen klassischen Industriekonzerne.
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Es ist das übliche Spielchen: Erst fallen die Aktienkurse. Danach senken die Konjunkturforscher ihre Wachstumsprognosen. Und mitten in diesem Wettlauf jonglieren die Unternehmensmanager mit ihren vagen Ausblicken in der Hoffnung, bloß nicht zusätzliches Öl ins Feuer zu gießen. Dabei wissen wir längst: 2008 geht es in Deutschland abwärts. Zumindest gemessen an den vergangenen Boomjahren. Darauf setzen seit Jahresbeginn die schwachen Börsen und jetzt auch Wirtschaftsinstitute, Analysten und immer vorsichtiger in die Zukunft blickende Firmen.

Doch wer zuerst mit dieser Prognose kommt, ist zweitrangig. Wichtiger bleibt die Nachricht aus der Vergangenheit. Sie lässt sich aus den vielen Zahlen in den Geschäftsberichten der Konzerne ableiten. Anders als nach dem Boomjahr 2000 gehen die Unternehmen diesmal gestärkt in einen Abschwung. Den Beweis liefern die vielen klassischen Industriekonzerne. Anders als zur Jahrtausendwende sind ihre Bilanzen nach Jahren des schmerzvollen Umstrukturierens samt Arbeitsplatzabbaus und des Verlagerns ganzer Produktionsplattformen in Niedriglohnländer derart gestärkt, dass konjunkturelle Durststrecken kaum jemanden in die Tiefe reißen sollten.

Einbrüche des Nettogewinns von durchschnittlich 50 Prozent, wie sie die 30 größten deutschen börsennotierten Konzerne noch im Jahr 2001 hinnehmen mussten, werden mit Blick auf das laufende Jahr oder 2009 unwahrscheinlicher. Dafür sorgen hohe Mittelzuflüsse, niedrige Schulden und ein geringer Bedarf an Fremdkapital. Wer in den nächsten Monaten wenig Kredite bei den durch die Finanzkrise gebeutelten Banken nachfragen muss, darf einem heranziehenden Abschwung ein Stück weit gelassen entgegensehen.

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