Bildung
Begriffsstutzig

Die deutsche Wirtschaft hat sich in einem sehr schmerzhaften Prozess fit gemacht für die Globalisierung. Das deutsche Bildungssystem hat diesen Prozess noch vor sich.

Die neuesten Zahlen der OECD zeigen eindeutig: Wenn wir nicht ganz schnell eine Trendwende schaffen, wird Deutschland bei der Qualifikation der Bürger im internationalen Vergleich hoffnungslos zurückfallen. Nahezu alle anderen Staaten haben drastisch ins Bildungssystem investiert. Deutschland hat geschlafen und gespart. Das gilt in besonderer Weise für die Spitzenqualifikationen. Noch immer denken viele Eltern, Lehrer und auch Vertreter der Wirtschaft, dass ein Hochschulstudium etwas Besonderes ist und sein soll. Anderswo sieht das ganz anders aus: Im Schnitt der OECD beginnt bereits jeder zweite ein Studium, in Ländern wie Australien, Schweden Finnland und Polen sind es bereits mehr als 70 Prozent.

Deutschland muss endlich begreifen, dass nur hoch gebildete Menschen hoch spezialisierte Produkte und Dienstleistungen entwickeln, produzieren und verkaufen können. Das Schlagwort von der Wissensgesellschaft muss mit Inhalt gefüllt werden, wenn wir nicht weiter zurückfallen wollen. In voller Schärfe wird das Problem spätestens ab 2010 manifest werden, wenn immer weniger Schüler die Schulen verlassen. Dann wird das Gejammer über fehlende Facharbeiter zum Geheul anschwellen. Doch es geht nicht nur um das deutsche Binnenlage. Bereits jetzt ist der internationale Wettbewerb um hoch Qualifizierte in vollem Gang. Das zeigt sich in der anhaltenden Abwanderung von Spitzenforschern und deren Nachwuchs. Das schlägt sich auch im anschwellenden Strom von Auswanderern nieder. Der Wettbewerb um die besten Köpfe hat erst begonnen.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin
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