Bildungspolitik
Draußen vor der Tür

Es ist paradox: Deutschland braucht mehr Akademiker, um international mithalten zu können. Von den Schulen kommen glücklicherweise wieder mehr Abiturienten. Doch gerade jetzt verhängen die Hochschulen in jedem zweiten Fach einen Numerus Clausus. Und das in den Fächern Wirtschaft und Jura, sogar Maschinenbau.

Die Ursache für diese fatale Situation liegt darin, dass der Staat die Hochschulen seit Jahrzehnten finanziell zu knapp hält. Dazu kommt nun noch der prognostizierte Studentenberg. Dieser wäre für den Standort Deutschland die entscheidende Chance, sich auf Jahre hinaus hoch qualifiziertes Personal zu sichern. Zwar soll der Hochschulpakt die erforderlichen Mittel liefern, damit die Hochschulen die bis zu 2,7 Millionen Studenten auch ordentlich ausbilden können. Doch der Pakt kommt zu spät, ist finanziell schwach dimensioniert und reicht nur bis 2010. Die Hochschulen reagieren rational: Solange sie nicht genügend Geld erhalten, um ihr Niveau halten zu können, sperren sie lieber Bewerber aus. Nur so können sie sich den geforderten Qualitätswettbewerb liefern. Auch kann man angesichts des unflexiblen Dienstrechts kaum verlangen, dass sie mehr Personal einstellen. Sie haben keine Planungssicherheit.

Die Länder müssen nun schnell klar machen, welche Mittel sie den Hochschulen in den nächsten Jahren zur Verfügung stellen. Zudem müssen sie einen Weg für die Zeit nach 2010 weisen, möglichst gemeinsam mit dem Bund. Ferner stehen heikle Strukturfragen an: Wenn einige wenige Unis die neue Elite bilden sollen, müssen sich andere verstärkt auf die Lehre konzentrieren. Doch das können die Minister den Hochschulen nicht selbst überlassen. Sie müssen schon selbst Hand anlegen und etwa diverse Universitäten zu Fachhochschulen umwandeln.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin
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