Biosprit
Analyse: Nachhaltig gescheitert

Die Biosprit-Pläne von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) sind gescheitert. Und das ist mehr als ein Kommunikationsdesaster: Einer breiten Öffentlichkeit werden mehr und mehr die inhaltlichen Schwächen der Biosprit-Strategie offenbar.
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Biosprit war bislang ein Gewinnerthema. Gemeinsam mit Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) hatte Gabriel im November vergangenen Jahres die „Road-Map Biokraftstoffe“ vorgelegt. Die beiden Minister skizzierten darin ihren Weg zu einem Ökosprit-Anteil von 20 Prozent bis 2020 in sehr groben Zügen. Die Botschaft war einfach und positiv: Das Klima und der ländliche Raum profitieren gleichermaßen, zudem trägt jeder Autofahrer zum Klimaschutz bei. Zu leichtfertig hatte man der Zusage der Hersteller vertraut, einen steigenden Biosprit-Anteil würden nur wenige Fahrzeuge nicht vertragen.

Wochenlang ließ sich das Umweltministerium nun vom ADAC jagen. Der Automobilverband schockte seine Mitglieder – und damit einen sehr großen Teil der deutschen Bevölkerung – immer wieder mit neuen Horrorzahlen: In der Spitze spekulierte der Club, 13 Millionen Fahrzeuge in Deutschland könnten bereits die zehnprozentige Beimischung von Biosprit nicht vertragen, von 20 Prozent war beim ADAC gar nicht erst die Rede. An dieser Stelle rächte sich, dass Gabriel es versäumt hatte, den ADAC in die Erstellung der Road-Map einzubinden. Als Unbeteiligter konnte der ADAC bedenkenlos die Keule schwingen. Außerdem musste sich Gabriel zu lange von den Kraftfahrzeugimporteuren hinhalten lassen. Auch das heizte Spekulationen an. Das hätte sich verhindern lassen, wenn man den Verband der Importeure von Anfang an mit an den Tisch geholt hätte.

Unter dem Strich hat Gabriel für die Missachtung wichtiger Akteure teuer bezahlt: Die Meinungshoheit glitt ihm aus der Hand. Das muss ein Politiker, der das Image des smarten Kommunikators pflegt, als Desaster empfinden.

Jetzt ist der Biosprit ein Thema, mit dem sich niemand mehr gerne in Verbindung bringen lässt. Dafür gab es allerdings auch zuvor bereits gute Gründe. Denn der Biosprit der ersten Generation, um den es in der aktuellen Debatte geht, hat große Schwächen. Er erfordert einen enormen Rohstoffeinsatz. Die Ökobilanz ist daher, wenn man alles einrechnet, ziemlich niederschmetternd.

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