BIP-Zahlen
Trügerischer US-Aufschwung

Die gute Nachricht vorweg: Die USA haben es geschafft. Die schärfste Rezession seit der Wirtschaftskrise der 30er-Jahre ist wohl beendet. Gedopt bis unter die Halskrause hat die größte Volkswirtschaft der Welt im dritten Quartal wieder ein beachtliches Wachstum erzielt. Aber leider gibt es gleich mehrere Wermutstropfen.
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Die gute Nachricht vorweg: Die USA haben es geschafft. Die schärfste Rezession seit der Wirtschaftskrise der 30er-Jahre ist wohl beendet. Gedopt bis unter die Halskrause mit billigem Geld aus der Druckerpresse der Notenbank und Konjunkturprogrammen des Weißen Hauses hat die größte Volkswirtschaft der Welt im dritten Quartal wieder ein beachtliches Wachstum erzielt. Eine auf das Jahr hochgerechnete Rate von 3,5 Prozent hat die meisten Volkswirte überrascht.

Aber leider gibt es gleich mehrere Wermutstropfen: Dieses Wachstumstempo wird nicht durchzuhalten sein. Die Probleme am Arbeitsmarkt, im Finanzsystem und im Immobiliensektor wurden nicht gelöst. Die Stimulusmaßnahmen haben sie nur vorübergehend beiseitegeschoben. Sie haben zudem eine Aktienmarktblase produziert, die irgendwann platzen wird.

Schon um künftigen Generationen nicht einen erdrückenden Schuldenberg und eine ruinierte Währung zu hinterlassen, wird die Regierung das Doping nicht auf Dauer durchhalten können. Ebbt dessen Wirkung aber ab, wird die US-Wirtschaft bestenfalls sehr langsam weiterwachsen. Experten rechnen für kommendes Jahr mit rund 1,5 Prozent. Die Weltkonjunkturlokomotive früherer Zeiten wird diese Rolle deshalb erst wieder einnehmen können, wenn die Sünden der Vergangenheit – vor allem der Konsum auf Pump – gebüßt sind.

Damit kein Missverständnis entsteht und zur Erinnerung: Die Wirtschaft der USA sowie ihr Finanzsystem standen vor einem Jahr vor einer Katastrophe, welche die ganze Welt in den Abgrund gerissen hätte. Dass dies ausblieb, ist vor allem den beschriebenen und weltweit koordinierten Konjunkturstützungsmaßnahmen zu verdanken. Bei aller Skepsis gegenüber der Wachstumseuphorie am Aktienmarkt kann man das kaum ausdrücklich genug würdigen.

Trotzdem sollte man sich nicht von der überzogenen Stimmung am Aktienmarkt mitreißen lassen. Das größte Problem der USA wird noch auf lange Zeit der überschuldete Verbraucher sein. Er ist für 70 Prozent der US-Wirtschaftsleistung verantwortlich. Nur weil die privaten Ausgaben im dritten Quartal mit 3,4 Prozent so stark gestiegen sind wie seit fast zwei Jahren nicht mehr, kann man nicht von einer Rückkehr des Konsumenten in die Geschäfte ausgehen. Die Abwrackprämie für Autos und Steuergeschenke machen sich hier bemerkbar. Dass diese Effekte auslaufen werden, weiß sogar der Normalbürger.

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