Birma
Kein Ruhmesblatt

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Die birmanischen Generäle kennen kein Pardon. Gestern haben sie den Hausarrest für die nunmehr seit insgesamt zwölf Jahren festgesetzte Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi abermals verlängert. Die Junta, die schon die ausländische Hilfe für die Opfer des Zyklons nur widerwillig ins Land ließ, dokumentiert erneut ihren Starrsinn – und verpasst damit eine einmalige Chance. Denn die längst überfällige Beendigung des Arrests hätte das hoffnungslos ramponierte Image des Landes ein wenig aufpolieren können.

Dass die Militärs es nicht gewagt haben, der Friedensnobelpreisträgerin wieder freie Bewegung im Land zu gestatten, sagt viel über die Verfassung der Diktatur und die Stimmung im Land aus. Die Junta fürchtet zu recht einen Aufstand der geschundenen Bevölkerung, die mit den Leistungen ihrer Führung in den Wochen nach der Unwetterkatastrophe alles andere als zufrieden sein kann. Doch der Zynismus, den die Militärs gegenüber den Menschen an den Tag legt, ist offenbar noch steigerungsfähig.

Die Welt schaut diesem Treiben ohnmächtig zu. Internationale Hilfsorganisationen feiern es schon als Erfolg, dass Wasseraufbereitungsanlagen, Lebensmittel und Medikamente nach Wochen in das Katastrophendelta gelangen. Dabei hätte die Weltgemeinschaft politisch durchaus mehr bewirken können, als Hilfsgelder auf einer Geberkonferenz einzusammeln. Doch weder die USA noch die EU haben energisch genug interveniert, um die Freilassung von Aung San Suu Kyi zu erwirken. Ganz zu schweigen von China. Komplett versagt haben die Asean-Staaten, deren Mitglied Birma immerhin ist. Sie hätten mit einer Abkehr von ihrer erfolglosen Politik der stillen Diplomatie ein klares Zeichen setzen können: In Birma geht es nicht nur um humanitäre Hilfe, sondern um die Wiederherstellung der Menschenrechte. Mit Schweigen kommt die Welt diesem Ziel nicht näher.

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