Boeing
Kommentar: Irrflug

Der Rollentausch im zivilen Flugzeugbau ist jetzt komplett. Das europäische Konsortium Airbus wird in diesem Jahr nicht nur mehr Maschinen ausliefern als der amerikanische Boeing-Konzern. Die beiden Erzrivalen haben auch in politischer Hinsicht die Seiten gewechselt.

Der Rollentausch im zivilen Flugzeugbau ist jetzt komplett. Das europäische Konsortium Airbus wird in diesem Jahr nicht nur mehr Maschinen ausliefern als der amerikanische Boeing-Konzern. Die beiden Erzrivalen haben auch in politischer Hinsicht die Seiten gewechselt. Klagte Boeing jahrelang über die verdeckten Subventionen der Europäischen Gemeinschaft für den Konkurrenten, dreht Airbus jetzt den Spieß um.

Stein des Anstoßes ist die Finanzierung der neuen Boeing 7E7 Dreamliner. Nach den jetzt vorliegenden Plänen wird die japanische Regierung dem Projekt eine erhebliche Starthilfe geben. Das Geld fließt nicht direkt an Boeing, sondern an die japanischen Zulieferer des US-Konzerns. Sie sollen immerhin etwa 35 Prozent zum Dreamliner beisteuern.

Zu Recht hat Airbus-Chef Noel Forgeard die EU alarmiert. Allerdings dürfte es den Europäern nicht leicht fallen, die Staatshilfen aufzuhalten. Müssen sie sich mit ihrer Beschwerde doch nach Japan wenden. Die japanischen Fluggesellschaften zählen jedoch zu den wichtigsten Abnehmern des neuen Großraumflugzeuges Airbus A380. Diese Kundschaft will man natürlich nicht vergraulen.

So geschickt der Schachzug von Boeing auch erscheinen mag, ein Ruhmesblatt ist er nicht. Wird durch die Finanzakrobatik mit Steuergeldern doch der fatale Eindruck bestärkt, dass Boeing sich derzeit mehr auf Tricks und Mauscheleien als auf den Bau von wettbewerbsfähigen Flugzeugen konzentriert. In den USA steht der Konzern wegen Industriespionage und unlauterer Methoden bei der Erlangung von Regierungsaufträgen am Pranger. Das Anzapfen japanischer Steuerzahler sollte nicht zu den ersten Maßnahmen des neuen Boeing-Chefs Henry Stonecipher zählen.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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