Boeing
Kommentar: Wunder dauern länger

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Für Höhenflieger wird die Luft dünn. Wer weiß das besser als die großen Luftfahrtkonzerne? Dennoch hat nach Airbus jetzt auch Boeing seine Glaubwürdigkeit aufs Spiel gesetzt, nur um ganz oben zu bleiben. Anfang September hieß es noch, die Erstauslieferung der 787 bleibe unangetastet – trotz erheblicher Probleme. Vier Wochen später ist klar: Es reicht nicht.

Bei ihren Flugzeugen der nächsten Generation sind die Hersteller gut beraten, größere Puffer in die Entwicklung einzubauen. Die Zeitpläne für A380 und B787 haben sich Airbus und Boeing von der Börse diktieren lassen – so lange, bis der gesunde Menschenverstand einsetzte. Keiner in der Flugbranche hat Interesse an einem hurtig zusammengenieteten Wundervogel, an dem es hinten und vorne noch klemmt. Alle müssen ein Interesse haben, dass die Passagiere nicht nur in einem schönen, sondern vor allem in einem sicheren Flugzeug sitzen. Wenn es später kommt, dann kommt es eben später. Wunder passieren selten über Nacht.

Kein anderer Zweikampf wird in Wirtschaftsmedien derart hoch gehängt wie das Wettrennen der großen Flugzeugbauer. Genau wie Airbus treibt auch Boeing eine mutige Flugzeugentwicklung voran, die das Reisen über den Wolken verändern soll. Genau wie Airbus versprach natürlich auch Boeing, dass es mit den Lieferterminen irgendwie schon hinhauen wird. Jetzt drehen beide Wundervögel Warteschleifen – der eine mehr, der andere weniger. Dass die Verspätungsmeldung von Boeing reflexartig Parallelen zum A380-Desaster aufbaut, ist naheliegend – aber ohne Fundament. Abgerechnet wird erst, wenn beide Vögel in der Luft sind. Doch die aktuellen Verkaufszahlen sprechen nach wie vor dafür, dass der „Dreamliner“ ein großer Verkaufserfolg wird – und die A380 ein teures Prestigevergnügen.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland

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