Börse
Kommentar: Rechnung ohne den Wirt

Die Fortsetzung der Baisse droht aus den USA. Hier läuft die Wirtschaft nicht so rund, wie viele Investoren es unterstellen. Staatliche Rüstungsausgaben und nicht etwa Investitionen der privaten Wirtschaft steuern den größten Teil zum Wachstum bei.

Selten waren Investmentstrategen in einer „Alles-oder-nichts-Frage“ so einig wie jetzt: Die Baisse ist zu Ende. Für diese Sicht spricht viel: verhalten positive Konjunkturdaten, wachsende Risikobereitschaft der Anleger und erfolgreiche Umstrukturierungen der Unternehmen. Doch letztendlich ist die Rechnung ohne den Wirt gemacht – die Leitbörse New York.

In Europa spricht vor allem die Aktienbewertung für ein Ende der Baisse. Ein Rückfall des Deutschen Aktienindexes (Dax) deutlich unter 3 000 Punkte würde Aktien in Relation zu den Unternehmensgewinnen so billig machen wie nie. Denn die Unternehmen haben derart umstrukturiert, dass sie trotz stagnierender Umsätze erheblich mehr als vor einem Jahr verdienen.

Die Fortsetzung der Baisse droht aber aus den USA. Hier läuft die Wirtschaft nicht so rund, wie viele Investoren es unterstellen. Staatliche Rüstungsausgaben und nicht etwa Investitionen der privaten Wirtschaft steuern den größten Teil zum Wachstum bei. Die Ungleichgewichte sind groß: Das Leistungsbilanzdefizit sowie die Verschuldung privater und öffentlicher Haushalte bedrohen Investitionen, den Konsum, die Konjunktur und damit die Märkte.

Schließlich ist die Wall Street selbst das Problem: US-Aktien sind fast doppelt so hoch bewertet wie im historischen Durchschnitt. Entweder die Unternehmen verdienen bald doppelt so viel wie jetzt, oder aber die Börsen müssen kräftig fallen. Der Dow wäre mit gut 5 000 Punkten fair bewertet.

Europa und der schwankungsfreudige Dax werden sich einer schwachen Wall Street nur dann entziehen, wenn Investoren entdecken, dass Aktien hier nach dem Ende der dreijährigen Baisse viel niedriger bewertet sind als an der Leitbörse New York.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%