Börsen
Kommentar: Herdentrieb

Mehr als 60 Prozent musste der Deutsche Aktienindex steigen, ehe die Investmentstrategen kapitulierten und ihren Pessimismus aufgaben. Nach Monaten kritischer Stimmung gilt die in den letzten Jahren ausgefallene Jahresendrally als ausgemacht.

Mehr als 60 Prozent musste der Deutsche Aktienindex steigen, ehe die Investmentstrategen kapitulierten und ihren Pessimismus aufgaben. Nach Monaten kritischer Stimmung gilt die in den letzten Jahren ausgefallene Jahresendrally als ausgemacht. Gut möglich, dass die Prognosen sogar aufgehen. Denn der Herdentrieb ist an den Börsen eine der verlässlichsten Größen.

Als der Dax im Frühjahr ins Bodenlose fiel, beherrschten Ausverkauf und Panik das Parkett. Getreu dem Motto „Rette sich, wer kann!“ hatten Banken und Versicherungen alle Hände zu tun, Aktien auf den Markt zu werfen.

Für nüchterne Analysen blieb keine Zeit. Als der Dax innerhalb weniger Wochen 40 Prozent zulegte, billigte die Mehrheit den Kursen noch höchstens zehn Prozent zu und warnte: Denken sie an Gewinnmitnahmen! Davon ist jetzt nach weiteren 20 Prozent Gewinn keine Rede mehr. Bei nüchterner Betrachtung sind die Chancen an der Börse aber natürlich eher kleiner als größer geworden.

Wie sollte es nach einem 60-prozentigen Anstieg anders sein? Außerdem haben sich die konjunkturellen Aussichten in den letzten Monaten zwar gebessert. Aber die USA schieben mit der Verschuldung ihrer Konsumenten und des Staates sowie mit ihrem Leistungsbilanzdefizit dieselben Probleme vor sich her wie vor einem halben Jahr. Niemand weiß, woher ein langfristiger Aufschwung und damit nachhaltiger Treibstoff für die Börsen kommen soll.

Für eine Jahresendrally bleibt dennoch Platz. Denn die Chance, dass Privatanleger und Fondsmanager ungeachtet aller Risiken Aktien kaufen, ist groß. Niemand will unterproportional in Aktien investiert sein, wenn das Jahr 2003 das erste gute Börsenjahr in diesem Jahrtausend wird.

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