Börsen
Nichts gelernt

Vier Ausnahmejahre haben Börsianer gestählt. Ob sie damit für die Zukunft ausreichend fit sind, ist fraglich. Anlegerverhalten, Börsenumsätze und Fondszuflüsse signalisieren vier Jahre nach dem Börsenhoch und ein Jahr nach dem schmerzvollen Tief zwar neues Selbstbewusstsein.

Vier Ausnahmejahre haben Börsianer gestählt. Ob sie damit für die Zukunft ausreichend fit sind, ist fraglich. Anlegerverhalten, Börsenumsätze und Fondszuflüsse signalisieren vier Jahre nach dem Börsenhoch und ein Jahr nach dem schmerzvollen Tief zwar neues Selbstbewusstsein, doch Investoren müssen aufpassen, nicht in eine zweite Börsenblase hinein zu kaufen.

Auf den Tag genau knallten vor vier Jahren an der Frankfurter Börse die Sektkorken. Doch anders als nach dem Durchbrechen der 5 000er-, 6 000er- und 7 000er- Punkte-Marke wollte kein Jubel aufkommen, als der Deutsche Aktienindex (Dax) die 8 000er-Marke überwand. Im schäumenden Internet-Boom beschlich die Investoren ein mulmiges Gefühl ob der immer kürzer gewordenen Abstände zwischen den Tausenderschritten.

Die Zweifel waren berechtigt: Nur drei Jahre später hatten die 30 größten deutschen Unternehmen drei Viertel ihres Börsenwertes verloren – ohne dass auch nur eines in eine wirklich bedrohliche Schieflage geraten war. Bilanzskandale, Konjunktursorgen, Terroranschläge, Kriegsängste und die schmerzvolle Erkenntnis, dass Kurse abstürzen, wenn sich keine neuen Käufer finden, ramponierten das Vertrauen in die Aktie. Ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, als endlich auch deutsche Anleger der Aktie als langfristiger Geldanlage zu vertrauen begannen, kam es zum größten Börsenabsturz.

Alte Höchststände bleiben trotz einer Verdopplung der Kurse in den letzten zwölf Monaten in weiter Ferne. Doch wer glaubt, das Vertrauen der Anleger sei zerstört, irrt. Viele einstige Frustrierte und Geprellte kehren auf die Bühne des schnellen Geldverdienens zurück: zwar noch zögernd, aber kaum weniger risikofreudig als in den neunziger Jahren.

Idealtypisch für den vom Börsenaltmeister André Kostolany beschriebenen „Herdentrieb“ war die Zahl der Aktionäre erst kurz nach den Höchstständen am größten. Und wieder idealtypisch kehrten ausgerechnet dann die meisten Anleger der Börse den Rücken, als die Kurse im März 2003 ihre Tiefstände erreichten. Wie schon bei vergleichbaren Börsenblasen 1907 oder 1929 hinderte erst Euphorie und dann Panik die große Mehrheit daran, die simple Regel zu befolgen: verkaufen, wenn die Ware teuer, und kaufen, wenn sie billig ist. Deshalb verpassten die meisten Anleger 2003 einen der größten Aufschwünge an den Aktienmärkten. Erst seit Anfang des laufenden Jahres steigen Aktionärszahlen und Fondszuflüsse angesichts besserer Stimmung rapide.

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