Börsen
Zu sorglos

An den Börsen herrscht eine erstaunliche Ruhe. Unter dem Eindruck eines Wirtschaftsaufschwungs, der die Kurse nach oben treiben könnte, blenden die Investoren viele Probleme aus – nur weil diese bereits bekannt sind. Gelöst sind sie damit aber nicht.

An den Börsen herrscht eine erstaunliche Ruhe: In Europa und den USA sind die tatsächlichen und künftig erwarteten Kursschwankungen so gering wie seit 1996 nicht mehr. Oft sind diese geringen Bewegungen ein Zeichen großer Sorglosigkeit. Unter dem Eindruck eines Wirtschaftsaufschwungs, der die Kurse nach oben treiben könnte, blenden die Investoren viele Probleme aus – nur weil diese bereits bekannt sind. Gelöst sind sie damit aber nicht.

Abzulesen sind die geringen Schwankungen an den Aktienkursen selbst und vor allem am Volatilitäts-Index, einem viel beachteten Indikator an den Finanzmärkten. Er misst über Aktienkursbewegungen und Optionsscheingeschäfte an den Terminbörsen, wie hoch die Kursschwankungen sind und nach Meinung der Akteure in den nächsten Monaten sein werden. Volatilitäts-Werte für den Deutschen Aktienindex (Dax) von beispielsweise 50 signalisieren, dass Investoren in den kommenden 45 Tagen mit einer Schwankung des Dax von 50 Prozent rechnen.

Extremereignisse wie der „Crash“ im Oktober 1987, die Asien- und Russlandkrise 1997/ 1998, die Terroranschläge am 11. September 2001, Deflationsängste, Spekulationen über Schieflagen bei Versicherungen 2002 und der Irak-Krieg Anfang 2003 ließen die Volatilität – kurz „Vola“ – jedesmal über 50 steigen. In der Regel gehen solch hohe Werte mit extremen Kursrückgängen einher – anschließend führen sie aber oft zu Gegenbewegungen nach oben. Tatsächlich kam es nach dem Irak-Krieg zu einer Rally mit Kursanstiegen von mehr als 50 Prozent.

Bei einer besonders niedrigen „Vola“, wie wir sie derzeit mit Werten unter 20 an der deutschen und nahe 15 an der amerikanischen Börse erleben, rechnen Investoren mit geringen Kursschwankungen. Kaum jemand wittert Gefahren. Gemessen an der Börsenbewertung der meisten Unternehmen, ist diese Sorglosigkeit zumindest in Europa verständlich. Hier zu Lande sind Aktien nach Meinung fast aller Analysten „fair“ bewertet. Dementsprechend erwartet kaum jemand große Kursbewegungen.

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