Börsengänge
Kommentar: Trauma Neuer Markt

Kursgewinne zwischen 30 und 50 Prozent am ersten Handelstag, Neuemissionen, die mehrere dutzend Mal überzeichnet sind, und eine Börse, die beinahe täglich eine neue Aktie feiert. Bei manchem Anleger werden wegen dieses Überschwangs schon Erinnerungen an den Neuen Markt wach.

Vor fünf Jahren waren Szenen wie diese an der Tagesordnung. Wie zu jener Zeit kaufen auch heute viele Anleger schon wieder „blind“, also ohne auf Geschäftsmodell, Marktchancen und die Qualifikation des Managements zu achten. Sie wissen, dass sie den schnellen Euro machen können, sofern sie zu den Glücklichen zählen, die überhaupt Aktien des Börsenkandidaten bekommen.

Droht deswegen ein ähnlich böses Erwachen wie zur Zeit des Jahrtausendwechsels? Nein, zumindest noch nicht. Denn Kleinanleger sind nach wie vor in der Minderheit und greifen nur deshalb zu, weil die großen Fonds und Vermögensverwalter, getrieben durch hohe Liquiditätsbestände, diese Aktien ebenfalls für interessant halten.

Auch die Börsenkandidaten selbst lassen sich in puncto Qualität längst nicht mit denen aus den Zeiten des Neuen Marktes vergleichen. Sie alle schreiben schwarze Zahlen, teilweise seit Jahren. Sie haben bewiesen, dass ihr Geschäftsmodell funktioniert, und sind in ihrer Branche bestens positioniert. Und sie haben im Gegensatz zu früher gelernt, den Investoren keine wilden Versprechungen zu bieten, sondern ein ehrliches Bild von Unternehmen und Branche.

Absehbar ist aber, dass viele auf den Zug aufspringen wollen, die nicht die nötigen Qualifikationen aufweisen. Dann wird es spannend: Erst wenn deren Papiere ebenfalls reißenden Absatz finden sollten, droht wirklich ein neuer Neuer Markt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%