Börsengang der RAG
Kommentar: Müller im Zenit

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War’s das für Werner Müller? Mit dem Segen der großen Koalition hat der Chef des Essener Mischkonzerns RAG sein größtes unternehmerisches Ziel erreicht: Die rentablen Industrieaktivitäten der früheren Ruhrkohle kommen 2008 an die Börse.

Mehr als zwei Jahre hat der frühere Bundeswirtschaftsminister geackert und die RAG kapitalmarktfähig gemacht. Er hat den bunt zusammengewürfelten Konzern neu ausgerichtet und auf Rendite getrimmt. Und es ist sein Verdienst, dass nach jahrelangem Streit ein Kompromiss für den Ausstieg aus dem Milliardengrab Steinkohle gefunden wurde. Denn es war Müller, der den Gewerkschaften die Zustimmung zum Börsengang abgerungen hat.

Jetzt könnte Ruhe einkehren an der Ruhr. Die Konzerntöchter Degussa, Steag und RAG Immobilien erhalten mit dem Zugang zum Kapitalmarkt eine neue Perspektive. Die Einnahmen aus dem Börsengang werden für eine reibungslose Abwicklung der Kohlezechen ausreichen. Von daher hätte es sich Müller verdient, jetzt an die Spitze der milliardenschweren Bergbau-Stiftung zu rücken.

Doch sein persönliches Lebensziel erfüllt sich nicht. Müller, der gewiefte Taktiker, hat im entscheidenden Moment die tatsächlichen Machtverhältnisse falsch eingeschätzt. Denn die Union, die lange Zeit eine Filetierung der RAG favorisierte, hat sich ihre Zustimmung zum Börsengang teuer bezahlen lassen. NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und das Kanzleramt haben schließlich durchgesetzt, dass die SPD von ihrem Wunschkandidaten Müller als langfristigen Chef der Kohle-Stiftung abrückt.

Zwar hat die Union noch keinen auch für die SPD akzeptablen Alternativkandidaten aufgeboten. Doch Müller kann das egal sein. Er sollte für den Übergang bereit stehen und dann Chef des börsennotierten Konzerns werden.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Teamleiter Sport

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