Börsenregeln
Sind die alten Weisheiten überholt?

Die Börsen schwankten in diesem Jahr besonders stark. Manche althergebrachten Regeln wurde außer Kraft gesetzt. Andere haben sich erst recht bewahrheitet. Eine Analyse.
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DüsseldorfAlte Weisheiten gelten nicht mehr. Dafür steht 2011. Staatsanleihen mit geringer Rendite sind nicht mehr sicher, seitdem Anleger befürchten, dass Staaten pleitegehen können. Aktien kaufen, Schlaftabletten nehmen und nach einigen Jahren die Papiere mit ordentlichem Gewinn wieder verkaufen, das funktioniert auch nicht mehr. Selbst auf Sicht von zehn Jahren werfen Aktien keinen Gewinn mehr ab, obwohl die Konjunktur gut läuft und die Unternehmen prächtig verdienen. Lediglich die üppigen Dividenden, die Jahr für Jahr in unseren Dax mit einfließen und ihn deshalb im Vergleich mit anderen großen Börsenindizes (positiv) verfälschen, retten uns über große Verluste hinweg.

Und schließlich: Aktien kaufen, wenn die Panik am größten ist, funktioniert auch nicht mehr, seitdem wir wissen, dass jede Verweigerungshaltung gegenüber den Börsen steigerungsfähig ist. Dem klassischen Ausverkauf mit Kursverlusten von fünf und mehr Prozent an nur einem Tag, wie im August, folgten nicht steigende Kurse, wie das früher gewesen sein mag. Das erhoffte reinigende Börsengewitter entpuppte sich in der Staatsschuldenkrise als der Beginn eines Sturms, dem noch weit tiefere Kurse folgten.

Die Bilanz dieses Jahres lautet: Die Kurse schwankten stärker als üblich. Im Dax und im amerikanischen Dow Jones fielen zwischen Januar und Dezember die Kursausschläge nach oben und unten doppelt so hoch aus wie im Durchschnitt der vergangenen 50 Jahre. Daraus folgt: Noch mehr Anleger dürften sich frustriert von der Börse abwenden. Sie sind es leid, dass nicht nur kleine Zockerpapiere, sondern auch die Aktien großer und solider Konzerne wie Siemens und Daimler in kurzer Zeit um mehr als 50 Prozent schwanken. Wer Aktien hält, muss damit kalkulieren, dass sein Depot bald nur noch die Hälfte wert sein könnte.

Allerdings, solche ungewöhnlichen Jahre, in denen die Kurse sehr viel stärker als üblich schwankten, gab es schon immer. Beispiele sind 1928, 1933, 1954, 1998, 2003 und viele Jahre mehr. War es denn wirklich überraschend, dass die Kurse 2011 so instabil waren? Schon vor einem Jahr wussten wir, dass die Finanzkrise nicht ausgestanden war und die Staaten sich überschuldet hatten, weil sie die Banken mit viel Geld retten wollten, das sie gar nicht besaßen. Drei Viertel der Analysten hatten vor einem Jahr vorhergesagt, dass die Kursschwankungen im neuen Jahr eher zu- als abnehmen würden.

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Die Bestätigung einer alten Börsenregel

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  • das kann mann ganz leicht steuern uber steuer kurzfristige gewinne mit 50% steuer ab Jahr halte dauer 25% und ab Jahre steuerfreie gewinne wetten der markt beruhigt sich von selbst!
    aber unsere Politik will das bestimmt nicht!

  • Wer seine Unternehmung über den Kapitalmarkt finanziert, der muß in der Flaute damit rechnen, daß der Geldgeber abspringt und die Gesamtsituation noch schlechter wird.
    Anders ist es, wenn der Geldgeber gleichzeitig Mitinhaber ist. Der springt nicht ab. Der erarbeitet sich seine Dividende.

  • Genauso sehe ich das auch.
    Als Kleinanleger ist man immer in denselben getreten.
    So schnell können sie garnicht reagieren, wie die Kurse schwanken.
    Ich kann nicht den ganzen Tag am Computer sitzen und die Börse verfolgen. Und abends ist es meistens schon gelaufen.

    Und defensiv? Ich habe RWE-Aktien, von denen ich dachte, sie seien defensiv. Der Kursverlust summiert sich auf nahezu 50 %. Auch schon vor dem Atomausstieg sind sie kräftig gefallen.

    Mir reicht es.

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