BP
Auf der Anklagebank

In den USA reift eine Debatte, die die Ölkonzerne noch auf eine Weise ins Schlingern bringen könnte, die bis vor kurzem gar nicht vorstellbar war. Erst waren es nur vereinzelte Politiker, die wegen der verrosteten Leitungen im Ölfeld Prudhoe Bay auf die Barrikaden gingen.

Doch inzwischen greifen größere Kaliber ein. Joe Barton, der Vorsitzende des Energieausschusses des US-Repräsentantenhauses, wirft dem BP-Chef John Lord Browne kaum verschleiert vor, bewusst einen Engpass bei der Ölversorgung der USA herbeigerufen zu haben, um bei sinkender Produktion noch mehr Geld aus der Bevölkerung herauszupressen.

Das Thema ist so populär, dass seine Wucht kaum zu überschätzen ist. In den kommenden Wochen stehen Untersuchungen an, der Gouverneur von Alaska, Frank Murkowski prüft bereits, BP zu verklagen. Der britische Konzern steht deshalb im Mittelpunkt der Kritik, weil er der Betreiber des riesigen Ölfeldes im ewigen Frost von Alaska ist. Doch es kann nicht mehr lange dauern, bis auch die anderen Beteiligten, Exxon-Mobil und Conoco-Phillips, auf die Anklagebank geraten. Sie alle haben in jüngster Zeit die größten Gewinne der Unternehmensgeschichte geschrieben. Allein bei BP waren es im vergangenen Quartal 7,3 Milliarden Dollar.

Wie können Konzerne mit solchen Profiten bei der Wartung ihrer Leitungen sparen? Während die PR-Abteilungen derzeit alles versuchen, der Geschichte einen anderen Dreh zu geben, hat der Amerikaner in seinem Sprit fressenden Truck auf der Straße längst entschieden: Die pure Gier hat die Ölkonzernchefs dazu getrieben, sowohl ihre Kunden als auch die Natur völlig zu missachten. Im klagewütigen Amerika kann eine solche Stimmung unabsehbare Folgen haben.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
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