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BUCHVERLUSTE: Notwendige Wahrheit

Nachdem jetzt der weltgrößte Versicherer AIG fast 15 Mrd. Dollar auf sein Portfolio hat abschreiben müssen, wächst in den USA unter den Finanzinstituten der Unmut über den erzwungenen Offenbarungseid.

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So behauptet AIG-Chef Martin Sullivan, dass von dem riesigen Buchverlust nur 900 Mill. Dollar übrig blieben, wenn sich die Märkte erst einmal wieder beruhigt hätten. Die Investoren würden überreagieren und drückten den Marktpreis vieler Schuldtitel weit unter ihren tatsächlichen Wert.

Der Einwurf ist durchaus berechtigt. Die Bilanzvorschrift, Wertpapiere zu ihren Marktpreisen zu bewerten, kann die Abwärtsspirale noch verstärken. Jede nervöse Zuckung der Märkte hinterlässt deutliche Spuren in den Büchern von Banken und Ver-sicherungen. Dennoch gibt es zu diesem „mark-to-market“ keine Alternative. Zur Erinnerung: Es waren die Luftbuchungen des Energiehändlers Enron, die das Vertrauen in die Bilanzwahrheit zerstört haben. Und es war die Weigerung japanischer Banken, ihre Kreditverluste in den 90er-Jahren offenzulegen, die das Land in eine tiefe Depression stürzte.

Die Lockerung der Vorschriften würde die Krise keineswegs mildern. Eine Bewertung nach Einstandspreisen ist keine echte Alternative. Das würde die Unsicherheit der Investoren über den tatsächlichen Wert vieler Schuldtitel und die Lage der Finanzinstitute nur noch steigern. Das Beispiel AIG zeigt, dass man die Wertfrage auch nicht dem Ermessen der Unternehmen überlassen kann. So hält Konzernchef Sullivan zwar die jetzigen Abschreibungen für weit übertrieben. Zugleich warnt er jedoch vor weiteren Wertberichtigungen. Ein geeigneter Kompass für Investoren ist das nicht.

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