Bundesbank
Unbekannter Präsident

Die Überraschung ist perfekt. Axel Weber soll neuer Präsident der Bundesbank werden. Den Kölner Wirtschaftsprofessor und Wirtschaftsweisen hatte niemand, aber auch gar niemand auf der Rechnung. Lange genug hat es gedauert, bis sich die Bundesregierung zu dieser Entscheidung durchgerungen hat. Und es waren schon zwei Treffen zwischen Kanzler Gerhard Schröder und Finanzminister Hans Eichel nötig, bis der neue Bundesbank-Chef gekürt war.

Rot-Grün ging mit der Wahl den Weg des geringsten Widerstandes. Denn für den Chefposten der Bundesbank gab es aus fachlicher Sicht eigentlich nur einen herausragenden Kandidaten – den derzeit amtierenden Notenbank-Präsidenten Jürgen Stark. International anerkannt und in der Bundesbank sowie der Europäischen Zentralbank gut verdrahtet, war Stark erste Wahl für die Nachfolge von Ernst Welteke. Stark hat nur ein großes Manko, das ihm zum Verhängnis wurde: Er gilt als CDU-nah und hat sich damit in die falsche Richtung orientiert. Über diesen Schatten wagten Schröder und Eichel nicht zu springen.

Heraus kam ein Kompromiss, der weit in die Zukunft zielt. Klar ist bereits heute: Weber hat einen ausgezeichneten Ruf als Theoretiker in Fragen der Geld- und Währungspolitik. Er wird die geldpolitische Strategie der Europäischen Zentralbank sicherlich ohne Wenn und Aber mittragen. Doch auf der internationalen Bühne der Zentralbanker ist Weber ein unbeschriebenes Blatt. Und in der Bundesbank wird er sicherlich nicht mit offenen Armen empfangen.

Allerdings kann die Ernennung Webers zum neuen Bundesbank- Präsidenten nur der erste Schritt sein. In gut zwei Jahren läuft die Amtszeit des Chefvolkswirts der EZB, Otmar Issing, ab. Die Position ist aus deutscher Sicht dem neuen Präsidenten wie auf den Leib geschnitten. Als stabilitätsbewusster Notenbanker und wissenschaftliche Größe kann er der kommende Mann für diese Position sein.

Doch zuvor muss er sich in die Niederungen der Bundesbank begeben und massiv Stellen kürzen sowie Filialen abbauen. Außerdem benötigt die in die Jahre gekommene Notenbank ein neues Profil, da sie mit der EZB die Macht über die Geldpolitik verloren hat. Dies zu schaffen ist seine vorrangige Aufgabe.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
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