Bundesliga
Gefährliches Spiel

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Der Stürmer Leo Kirch kehrt auf das Fußballfeld triumphierend zurück. Nur fünf Jahre nach seiner spektakulären Milliardenpleite hat es der charismatische Medienmogul geschafft, sich die Bundesliga zu schnappen. Die gewaltige Summe von fast drei Milliarden Euro für die Fernsehrechte von 2009 bis 2015 ist eine Sensation. Denn noch vor Monaten hätte sich niemand vorstellen können, dass der gescheiterte Medienunternehmer nochmals in der Lage wäre, das Pokerspiel um die Bundesliga für sich zu entscheiden.

Woher das viele Geld für die 36 Profiklubs kommen wird, bleibt wie auch schon früher das Geheimnis von Leo Kirch. Zapfte er private Vermögen im Ausland an? Halfen Milliardärsfreunde wie der Metro-Gründer Otto Beisheim? Oder gibt es immer noch Banker, die am glamourösen Medienmarkt ihren Spaß haben? Eines scheint klar zu sein, an einer fehlenden Bankbürgschaft wird das Geschäft mit den Klubs nicht scheitern.

Für die Deutsche Fußball Liga ist die Entscheidung für Kirch jedenfalls ein gefährliches Spiel. Offenbar haben die Vereine vergessen, wie sehr sie von Leo Kirch und seinem Vertrauten Dieter Hahn vor fünf Jahren im Stich gelassen wurden. Die Pleite des Kirch’schen Medienimperiums hatte damals die Bundesliga fast in den Abgrund gerissen. Vereinschefs forderten damals in ihrer Geldnot sogar einen Lohnverzicht von ihren Profifußballern. Absurd! Doch offenbar leidet der deutsche Fußball unter Gedächtnisschwund. Sich auf sechs lange Jahre an den fast 81-jährigen Patriarchen zu binden, lässt sich rational kaum erklären.

Die Rückkehr von Kirch in die Fußball-Arena wird Folgen für den deutschen Fernsehmarkt haben. Er wird schon bald der Herr der Bilder aus den Stadien werden. Damit gehört ihm der wertvollste Inhalt im Fernsehgeschäft. Eines ist so sicher wie das Amen in der Kirche: die Großkunden wie der Bezahlsender Premiere und die ARD werden noch tiefer in die Tasche für die Fernsehrechte greifen müssen. Denn sie können ohne die Bundesliga nicht leben. Kirch kennt die Not seiner Partner und wird daraus wie in alten Zeiten seine Vorteile ziehen. Die Rechnung bekommen dann die Abonnenten und Gebührenzahler persönlich zugestellt.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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