Bundestagswahl
Die Deutschen wollen „Merkel plus“

Laut einer aktuellen Wahlumfrage ist die politische Befindlichkeit der Deutschen eindeutig: Sie haben genug vom schwarz-gelben Genöle und verlangen nach einer großen Koalition. Das schont die Kandidaten im Wahlkampf.
  • 48

Das Kommentariat freut sich auf Peer Steinbrück; endlich mal „klare Kante“, einer, der sagt, „wo es langgeht“, und der Kanzlerin einen „spannenden“ Wahlkampf liefert - wie die vertrauten Formeln so purzeln. Bloß passt dieses Bild vom Kandidaten nicht ganz zur Seelenlage der Nation.

Im jüngsten „Stern-RTL“-“Wahltrend“ bekunden fast 40 Prozent des Wahlvolks eine klare Vorliebe für die Große Koalition, also für die weichen Konturen des in der Mitte verankerten Gleichgewichts. Bei den Unionsanhängern sind es fast zwei Drittel - eine geradezu unglaubliche Mehrheit. Selbst zwei Fünftel der SPD-Wähler wollen das Duopol. Nur Schwarz-Gelb, den Ist-Zustand, will der deutsche Mensch nicht mehr; gerade mal müde 13 Prozent wünschen die Fortsetzung.

Was die Befragten damit sagen wollen? Sie wollen „Ruhe im Karton“ - keinen Krach und schon gar keine Überraschungen. Sie wollen nicht das ewige Genöle von Schwarz-Gelb, wo die beiden Partner sich wie beste Feinde gerieren. Sie wollen auch nicht Rot-Grün. Dieses Bündnis kriegt kaum mehr als Schwarz-Gelb. Derweil nähert sich der Kinder-Kreuzzug der Piraten der Fünf-Prozent-Guillotine.

Die schreibende Klasse freut sich auf den Wahlkampf, der Deutsche als solcher reagiert kaum; gerade mal einen Punkt hat die SPD nach Steinbrücks Salbung in der „Sonntagsfrage“ dazugewonnen. Das Wahlvolk schätzt zwar das „Authentische“ an ihm, aber bitte nur in Maßen - eben einen, der an der Leine der Noch-und-wieder-Kanzlerin läuft. Das Volk will die hübsch ausbalancierte Großkoalition, die weder Zumutungen noch Überraschungen im Programm hat. Deshalb will der Wähler Merkel, die Geschmeidige und Auf-Sicht-Fahrende, die er schon zweimal gekürt hat. Die mit feiner Witterung für die Gefühlslage der Nation 2005 das Marktradikale ablegte und sich als Sozialstaatlerin wiedererfand. Die sich nach Fukushima an die Spitze der Antiatomkraftbewegung setzte.

Aber der Wähler will nicht nur Merkel, sondern „Merkel plus“: mit einer Sozialdemokratie an ihrer Seite, die den Banken zeigt, wo der Hammer hängt, und für noch mehr Sozialstaat sorgt.

Seite 1:

Die Deutschen wollen „Merkel plus“

Seite 2:

Hase Steinbrück gegen Igel Merkel

Kommentare zu " Bundestagswahl: Die Deutschen wollen „Merkel plus“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Diese "Wahlen" sind eine Farce, aber die Bürger sind selbst schuld, wenn sie sich nicht politisch wirksam im Eigeninteresse organisieren und betätigen!

  • Die BRD wird von einer Polit-Oligarchie verwaltet. Legen Sei sich mal bisschen politisches Wissen und Sachverstand zu!

  • Leider sind die Leute in Kopf nicht richtig, verstehen so viel von Politk und Geschichte, wie Kindergartenkinder, haben keine Vorstellung, wie man sich politisch wirksam organisiert, sind entvolkt, im Gegensatz zu Spaniern, Portugiesen und Griechen. Schafsköpfe eben, so können Merkel & Co. weitermachen bis zum bitteren Ende...

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%